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Filme entwickeln: Einige Tipps für gute S/W-Negative die Sie vielleicht noch nicht kennen

In diesem Beitrag möchte ich ein paar Tipps bezüglich der Entwicklung von S/W-Negativen auflisten, die Sie vielleicht noch nicht kennen.

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Filmentwicklungsdoseeine Entwicklungsdose von Jobo

Eine ganze Anleitung zur Entwicklung von Schwarz-Weiß-Negativen soll an dieser Stelle nicht folgen. Denn hierzu gibt es bereits genügend kostenlos im Internet. Ich empfehle dem Anfänger hierzu diese gut gemachte Informationsseiten aus eigenem Hause.
Nein, in diesem Beitrag möchte ich etwas weiter ins Detail gehen, wenn es darum geht, hochwertige S/W-Negativvorlagen für feine Abzüge oder für die Digitalisierung anzufertigen. Vielleicht ist der ein oder andere Tipp noch nicht bekannt und könnte durchaus hilfreich für den eigenen Prozess sein.

Zwei Rollfilme auf einer einzigen Spule

Im Format 6×6 passen für gewöhnlich lediglich 12 Aufnahmen auf einen Mittelformat-Rollfilm. So wird man nicht selten mehrere dieser Filme für die Entwicklung parat haben. Meine Dose ist lediglich so hoch, dass nur eine 120er-Spule hinein passt. Es gibt aber die Möglichkeit, zwei Rollfilme gleichzeitig hintereinander auf die Spule aufzuspulen. Hierzu habe ich einen separaten Artikel geschrieben.

Anpassen der Entwicklungsdauer an die Temperatur des Entwicklers

ein ThermometerIch nutze zur Temperaturmessung ein simples, aber genaues Bratenthermometer.

Ist der Entwickler zu warm, reagiert er schneller. Um nicht ungewohnt kontrastreiche Negative zu erhalten, empfiehlt es sich in diesem Fall, die Entwicklungszeit zu verkürzen. Auch hierzu habe ich einen eigenen Artikel geschrieben, in welchem Sie entsprechende Tabellen mit korrigierten Entwicklungszeiten finden können.

Das Mischverhältnis von Einmalentwicklern

Einmalentwickler wie Rodinal oder Xtol können in verschiedenen Ansätzen verwendet werden. Eines haben hierbei alle Entwickler (logischerweise) gemein: Die Entwicklungszeit verlängert sich bei einem höheren Mischungsverhältnis (also bei einer größeren Menge Wasser im Ansatz). Doch wirkt sich eine höhere Verdünnung positiver auf das Bild aus?

Vielen Entwicklern sagt man nach, dass sie höher verdünnt zum einen etwas schärfer und zum anderen leicht grobkörniger arbeiten.
Rodinal: der bekannteste Negativentwickler (bzw. der Nachbau von Adox)Rodinal, der hierzulande bekannteste Negativentwickler (bzw. der Nachbau von Adox), lässt sich in einem weiten Spielraum verdünnen.

Doch solche Unterschiede sind, sofern sie überhaupt entstehen, marginal – Zumindest ist dies meine Erfahrung. Mein Standardentwickler ist Kodak Xtol. Um im Kleinbild nicht ein zu grobes Korn zu provozieren und dennoch ein Quentchen an Schärfe zu gewinnen, nutze ich die Xtol-Stammlösung hier im Verhältnis 1+1. Ich nehme also die „normale“ Entwicklerlösung und gebe nochmal die gleiche Menge Wasser hinzu. Im Mittelformat sieht dies aber schon wieder etwas anders aus. Hier brauche ich mir weit weniger Gedanken über zu grobes Korn machen. Also gebe ich der Entwickler-Stammlösung ganze zwei Teile Wasser hinzu (Mischungsverhältnis 1+2). Ob meine Negative nun tatsächlich etwas schärfer werden? Ich kann es selbst nicht beantworten. Zumindest spart man etwas Entwickler (bei einer längeren Entwicklungszeit freilich).
Für Rodinal wird vom Hersteller ein Mischungsverhältnis von entweder 1+25 oder 1+50 angegeben. Meiner Erfahrung nach ist es für das Bild nahezu egal, in welchem Verhältnis man diesen Entwickler nutzt: Die Ergebnisse werden gleich aussehen. Einen Vorteil kann eine höhere Verdünnung aber doch haben:

*Think Analog ist ein modernes deutschsprachiges Fachbuch, welches sich der analogen Fotografie heute widmet. Dieses Buch richtig sich speziell an Neueinsteiger, die gar nicht wissen, welches Potential die analoge Fotografie birgt und wie man sich mit ihr gekonnt von der Masse an digitalen Bildern anhebt. Auch in Think Analog kann man auf Amazon hinein schnuppern. Das Buch eignet sich ebenfalls sehr gut als Geschenk für Leute, die man neugierig auf die "analoge Welt" machen möchte.

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Höhere Entwicklerverdünnungen können ausgleichend wirken.

Ausgleichend meint, dass das Risiko vermindert wird, dass Lichter „blockieren“, dass also die hellsten Bereiche des Motivs zu viel Schwärzung im Negativ verursachen, so dass diese nicht mehr kopierbar sind bzw. im Positiv keine Zeichnung mehr aufweisen. Gerade wenn man seine Negative einscannen möchte ist dieser Punkt sehr wichtig.

Höhere Verdünnungen können einen Kanteneffekt begünstigen.

Manche Entwickler zeigen eine günstige Eigenart: Bewegt man die Dose nur mäßig, so nutzen sich einige Entwicklertypen (Rodinal gehört dazu) an reichlich belichteten Stellen des Negativs rasch ab und an weniger belichteten Stellen weniger. Es entstehen als Folge feinste Kanten und diese mikroskopisch feinen Kanten erhöhen einen Schärfeeindruck. Z. B. Perceptol von Ilford sagt man nach, dass erst durch eine höhere Verdünnung die Möglichkeit zum Kanteneffekt besteht (mit Verlust von Feinkörnigkeit allerdings).

Testen des Entwicklers auf Aktivität

Man kann nie sicher sein, ob der Entwickler, den man vor einiger Zeit angesetzt hat, noch funktioniert. Im Positivprozess sieht man es. Bei der Entwicklung von Negativen ist dies aber nicht so. Sehr ärgerlich wäre es, man erhält am Ende des Prozesses den „Blanken“, also den transparenten Film aus der Dose.
Ich teste meinen Entwickler vor jeder Prozedur auf Aktivität, indem ich einfach ein Stückchen Film in das Konzentrat tauche. Ganz simpel. Bei meiner Xtol-Stammlösung muss sich ein Stückchen APX 100 in ca. 40 Sekunden anfangen leicht dunkler zu verfärben, wenn der Entwickler noch funktioniert.

Testen von Entwickler und Fixierer

Mit einem S/W-Film-Stückchen kann der Entwickler getestet werden. Nach einer zuvor mit frischem Entwickler eingetesteten Zeit muss sich das Stückchen Film dunkel verfärben (rechte Abbildung). Doch Obacht: Dieses Verfahren ist vage. Ich verbürge mich nicht für Genauigkeit. Tatsächlich erhielt ich einmal sehr dünne Negative (der Entwickler war bereits erschöpft, jedoch nicht tot). Vorher machte ich den Test, welcher positiv ausfiel – positiv jedoch nur für ein absolut überbelichtetes Stückchen Testfilm. Überschreitet man die angegebene Haltbarkeit des Entwicklers (falls bekannt), sollte man sicherheitshalber zunächst ein Stückchen tatsächlich in einer Kamera belichteten Film entwickeln.

Links sehen Sie übrigens ein Stückchen Film vom Testen des Fixierers auf Aktivität. Hier muss der S/W-Film nach einer gewissen Zeit völlig blank bzw. transparent werden. Dort, wo der Effekt auf den Bildern nicht oder reduziert einsetzte, wurde der Film festgehalten bzw. ungenügend in den Entwickler / Fixierer getaucht.

Fotolabor BücherViele dieser Tipps finden Sie auch in guten Büchern für das Fotolabor.

Entwicklungszeit und das Ein- und ausfüllen des Entwicklers

Ich handhabe das Einfüllen bzw. das spätere Ausgießen des Entwicklers innerhalb der vorgelegten Entwicklungszeit folgendermaßen: Ich starte die Stoppuhr noch nicht, gieße aber den Entwickler in die Filmentwicklungsdose ein, was ca. 10 Sekunden beansprucht. Und genau 10 Sekunden vor Ende der gesamten Entwicklungszeit gieße ich den Entwickler wieder aus. So liege ich immer innerhalb der vorgegebenen Zeit.
Ein Hinweis: Ob Sie Ihre Schwarz-Weiß-Filme nun 8 % kürzer oder länger entwickeln, werden Sie visuell wahrscheinlich gar nicht feststellen können. Doch im Fotolabor sind fest einstudierte Handlungsabläufe meiner Meinung nach wichtig für kontinuierlich gute Ergebnisse.

Der Kipprhythmus der Entwicklerdose

Die Art, wie man die Entwicklerdose während der Negativentwicklung bewegt, wirkt sich (etwas) auf das Bildergebnis aus. Man sollte die Dose nicht einfach ohne einem bestimmten Muster bewegen.

Es gibt grob drei verschiedene Methoden, die Entwicklerdose zu bewegen:

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  1. fast gar nicht – Die Standentwicklung

    Bei der Standentwicklung kippt man die Dose in der ersten Minute ständig und lässt sie danach für ca. eine Stunde unberührt stehen. Dies hat den Vorteil, dass extreme Kontraste im Negativ ausgeglichen werden können (ähnlich wie bei einem Zweibadentwickler). Man erreicht bei der Standentwicklung aber kein Schärfeoptium, wohl aber die volle Empfindlichkeitsausnutzung des Films. Bei Kleinbildfilmen riskiert man durch die fehlende Agitation sogenannte „Bromidabläufe“.

  2. kontinuierlich (Rotation)

    Die Rotation ist das Gegenteil der Standentwicklung. Hier wird die Dose ständig gedreht (und somit die Entwicklungszeit auf ein Minimum reduziert). Der Vorteil: Feinkörnigkeit. Nachteile: Unausgeglichenheit bzw. zu viel Kontrast sowie eine verringerte Schärfebildung und Empfindlichkeitsausnutzung.

  3. Kippen im Intervall

    Hier wird die Dose in der ersten Minute ständig gekippt und danach nur jede halbe oder auch nur jede ganze Minute für jeweils ca. zehn Sekunden. Das Kippen ist der beste Kompromiss zwischen Schärfe, Empfindlichkeitsausnutzung, Ausgleichsvermögen und Feinkörnigkeit.

Lesen Sie zu diesem Thema auch diesen interessanten Artikel.

Testbild zum FilmeintestenLesen Sie auch meinen Artikel: Filme eintesten ganz simpel

Ich persönlich kippe die Dose die ersten 30 Sekunden ständig und danach jede halbe Minute für jeweils 5 Sekunden. Um Luftbläschen abzuschütteln, setze ich die Dose stets leicht rabiat auf. Ich erinnere mich an einige Negative mit großen homogenen Flächen (blasser, milchglasartiger Himmel). Hier gab es Unregelmäßigkeiten beim längeren Kipprhytmus von jeder ganzen Minute. Seitdem bewege ich alle 30 Sekunden.

Was sieht das Kippen aus?

Kippen ist freilich nicht gleich kippen. Vielleicht stellt sich die Frage, wie man die Filmdose denn nun genau kippen sollte. Die gebräuchlichste Form wird jene sein, als hätte man ein Glas in der Hand, welches man einmal nach links, einmal nach rechts ausgießt und danach wieder auf den Boden hin stellt. Damit hätte man dann bereits zweimal gekippt. Keinesfalls sollte man denken, man muss die Dose abwechselnd auf dem Kopf für eine halbe oder eine ganze Minute stehen lassen. Dann würde ein großer Teil des Entwicklers in die Stülpkappe fließen und der Film wäre nicht korrekt von Chemie bedeckt.
Ich selbst kippe folgendermaßen: Ich nutze hierzu beide Hände und lasse die Dose während des Kippens noch zusätzlich rotieren (bevor ich sie wieder absetze). Dies lässt sich schwierig beschreiben. Doch so verspreche ich mir bestmögliche Durchmischung des Entwicklers. Bei größeren Dosen kann man auch eine zusätzliche, leere Filmspirale mit einlegen. Dadurch sollte eine noch bessere Durchmischung des Entwicklers erreicht werden, wenn man ganz penibel ist.

Das Stoppen

Ein Stoppbad, wie es bei der Positivverarbeitung nötig ist, ist im Negativprozess normalerweise nicht nötig. Nachdem ich den Filmentwickler ausgekippt habe, fülle ich die Dose sofort mit Wasser. Allein dadurch sollte der Entwicklungsvorgang bereits gestoppt sein. Man könnte die Dose so sogar noch etwas stehen lassen. Dann passiert nämlich folgendes: Das bisschen an Entwicklerlösung, welches nun noch am Film haftet, verbraucht sich in den stark gedeckten Stellen (Lichter) sofort. In den Schatten aber könnte der Entwickler aber noch etwas weiter arbeiten und jene noch einen „Tick“ herausarbeiten bzw. jenen Lokalkontrast erhöhen (zumindest theoretisch). Dies nennt man auch „Wasserbadmethode„. Bei der Wasserbadmethode wird allerdings mehrmals zwischen Wasser und Entwickler hin und her gewechselt. Man erreicht so sehr ausgeglichene Negative (die Lichter werden „zurückgehalten“ / die Schatten normal ausentwickelt). Was ich an dieser Stelle nur zeigen möchte ist, dass man keine Angst haben muss, dass lediglich durch das Einfüllen von Wasser noch großartig etwas an der Entwicklung des Filmes passiert. Ich wechsele das Wasser vielleicht 4 bis 5 Mal, damit nicht noch restlicher Entwickler in den Fixierer verschleppt wird.
Nach diesem Wasserwechsel könnten Sie die Dose mit Wasser gefüllt ruhig längere Zeit stehen lasse und z. B. vor dem Fixieren noch eine Kaffeepause einschieben: Es wird sich chemisch kaum noch etwas in der Filmentwicklungsdose tun. Hier ist keinerlei Hektik nötig!

Nur wenn man ungewöhnlich stark konzentrierten Entwickler nutzt, würde ich zu einem zwischen Entwickler und Fixierer geschaltetem speziellen Stoppbad raten.

Testen des Fixierers auf Aktivität

FixiererFixierer für Negative und Papier

Es ist wichtig, zu überprüfen, ob der Fixierer noch funktioniert. Genau wie beim Entwicklertest lässt sich dies leicht prüfen, indem man ein kleines Stückchen Film in den Fixierer hält (und etwas bewegt). Dieser Filmschnipsel muss nun irgendwann transparent werden! Erfolgt die sogenannte Klärung nach drei Minuten immer noch nicht, scheint der Fixierer nicht mehr zu funktionieren.
Sie können auf diese Weise übrigens auch Ihre Gesamtfixierzeit des Filmes bestimmen: Jene muss doppelt so lang sein wie die Klärzeit. Ist der Film also nach 40 Sekunden klar, könnte man also insgesamt 80 Sekunden fixieren. Nur moderne Filme (Kodak T-Max & Ilford Delta) benötigen die dreifache Gesamtzeit. Ich vermeide zu langes Fixieren um nicht zu riskieren, dass mir die dünnsten Schatten-Schwärzungen ebenfalls „heraus fixiert“ werden.

*Die persönliche fotografische Handschrift zu entwickeln, dies ist das Thema dieses Buches. Schließlich kann jeder fotografieren! Man muss nur den Fotoautomaten auf das Motiv halten oder Technik gepaukt haben. Immer noch werden die eigenen Bilder so aussehen wie die der anderen. Der eigene Blick möchte hier Abhilfe schaffen. Auf Amazon kann man einen Blick in dieses Buch werfen.

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Fixieren: Bewegen der Dose

Wie eben schon erwähnt halte ich persönlich beim Entwickeln den Kipprhythmus 30/30-5S (erste 30 Sekunden ständig; danach jede 30 Sekunden für 5 Sekunden) für den besten Kompromiss zwischen Ausgeglichenheit, Schärfe, Feinkörnigkeit und Empfindlichkeitsausnutzung.
Wie aber soll die Dose beim späteren Fixieren bewegt werden? Die Antwort lautet: Rollen bzw. Rotation!

Es ist nicht nötig, beim Fixieren einen bestimmten Kipprhythmus einzuhalten. Hier soll die Chemie nur schnell wirken. Auf das Bild wirkt sich die Art der Bewegung nicht mehr aus.

Im Gegensatz zum Entwickler wird durch den Fixierer die Eigenschaft des Bildes (Schärfe, Ausgeglichenheit usw.) nicht mehr verändert. Das bedeutet, dass hier also bestenfalls so bewegt werden sollte, dass man schnell zur ausreichenden Fixierung kommt. Und daher rolle ich die Dose beim Fixieren, denn hierbei findet am schnellsten die gewünschte Reaktion statt. Zum Rollen nutze ich einfach eine Entwicklerschale und lege die Dose hinein. Dann folgt eine Kombination aus Schwenken, Ziehen und Rollen (abhängig davon, inwiefern eine vollständige Umdrehung in der Schale möglich ist).

Noch effektiver Wässern

Hier kommt ein Hinweis, den ich noch nie in irgendeiner Publikation lesen konnte. Dabei ist es doch naheliegend:

Ich wasche zunächst grob den Fixierer unter dem Wasserhahn heraus statt lediglich sukzessive.
Jobo CascadeDer Jobo-Schnellwascher („Cascade“)

Das bedeutet, dass ich nach dem Fixieren die Dose öffne und jene zunächst unter fließendem Wasser abspüle. Auch die Spule mit dem Film wasche ich zunächst ab, dann das Achsrohr und den Deckel. Nun erst erfolgt die eigentliche Wässerung mittels der Jobo-Caskade.
Dadurch, dass Sie zunächst in einem Rutsch die gröbsten Fixierreste von Film und Dose spülen, erfolgt die nachträgliche, sukzessive Wässerung natürlich effizienter.

Wässern ganz  einfach mittels Wasserwechsel

Ich erinnere mich an einen Test in der Zeitschrift „Foto Hobby Labor„: Dort wurde wisschenschaftlich untersucht, ob man tatsächlich eine solche „Jobo Kaskade“, wie sie auf dem Bild oben zu sehen ist, benötigt oder ob ein manueller Wasserwechsel ausreichend ist. Das Ergebnis: Die am effektivsten gewässerten Negative erhält man tatsächlich bei Verzicht auf solch ein Gerät und mit lediglich manuellem Wasserwechsel!

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Wie sieht das „manuelle Wässern“ aus? Zunächst sollte man die groben Fixiererreste natürlich abspülen, wie ich es im vorherigen Punkt erläuterte. Nun wird die Dose mit dem Film fast voll mit Wasser gefüllt und 3x gekippt. Das Wasser wird ausgegossen. Es wird erneut Wasser eingefüllt und 6x gekippt. Auch dieses Wasser wird ausgegossen. Wieder wird Wasser eingefüllt und 12x gekippt. Dieser Vorgang wird wiederholt: mit wieder frischem Wasser 24x kippen und das Wasser ausgießen. Ich selbst genehmige meinem Film dann nochmal eine neue Füllung und kippe 48 mal.

Der Test in der Fachzeitschrift hatte ergeben, dass bereits mit dieser wassersparenden Methode eine Archivfestigkeit des Filmmaterials garantiert ist. Man muss nicht eine Stunde lang fließendes Wasser in die Dose leiten. Schon gar nicht sollte man sie hierbei übrigens ohne Kaskade unter den Wasserhahn stellen: Bei der Wässerung mit fließendem Wasser muss immer ein Schlauch bis zum Dosenboden eingeführt werden. Doch wie Sie lesen, ist eine korrekte Wässerung der Filme bereits mit simplen Wasserwechseln durchaus realisierbar.

Die Temperatur beim Wässern sollte am besten immer so um die 20 °C liegen. Ich würde sie nicht viel kälter wählen (unzureichende Reaktion) und nicht viel wärmer (aufweichen der Filmschicht). Keinesfalls sollte ein Temperatursturz erfolgen, indem sich die Temperatur des Wasser stark von der des vorherigen Bades (Fixierer) unterscheidet.

Trocknen: die richtige Menge Netzmittel für fleckenfreie Negative

Staub suchenBei Gegenlicht ist kein Fleck / keine Verschmutzung erkennbar. Das Negativ ist absolut sauber.
Netzmittel Netzmittel von Tetenal

Vor dem Trocknen sollte bekanntlich ein kurzes Netzmittelbad erfolgen. Hier ist zu beachten, tatsächlich nur eine ganz geringe Menge zu verwenden. So ein Fläschchen Netzmittel wird das ganze Leben langen. Ich verwende auf 1 Liter destilliertes Wasser 1 Milliliter Netzmittel und erhalte auf diese Weise nahezu fleckenfreie Negative. Ich ziehe den Negativstreifen auch nur lediglich leicht mit nassen Fingern ab, um keine mechanische Beschädigungen zu riskieren und hänge ihn dann zum Trocknen auf. Keinesfalls würde ich so einen Negativabstreifer an die nasse und darum sehr empfindliche Emulsion lassen. Vielleicht übertreibe ich: Doch meine kostbaren Negative, die ich soeben aus dem Netzmittelbad geholt habe, behandele ich wie ein rohes Ei. Übrigens: Ich nutze für das Netzmittelbad auch die Filmentwicklungsdose. Ich hatte noch nie Probleme bei der Entwicklung der nächsten Filme durch etwaige Netzmittelreste bzw. ungünstiger Reaktionen.

Warmes Netzmittelbad verwenden

Noch ein Tipp bezüglich des Netzmittels: Verwenden Sie ein warmes Bad von ca. 35 °C. Hierdurch wärmt sich dann auch der Film etwas auf und wird viel schneller Trocknen, da warmes Wasser schneller verdunstet.

Säubern der Filmentwicklungsdose

Jobo Filmdose mit DeckelAuf diesem Bild kann man gut den auseinander genommenen Deckel der Jobo-Filmentwicklungsdose erkennen.

Ich spüle ich die Filmdose nach der Schlusswässerung noch einmal aus. Aber die Schlusswässerung hat ja bereits nahezu jegliche Chemiereste heraus gespült. Was viele nicht wissen: Zumindest bei den Jobo-Dosen des 1000er-Systems lässt sich der Deckel selbst nochmal auseinander schrauben. Probieren Sie’s aus. Dies sollte man ab und zu mal machen, um dort eventuelle Ablagerungen zu entfernen.

Flecken entfernen

Hat man dennoch einmal Flecken auf den Negativen, wird man feststellen, dass sich diese lediglich auf der glatten Trägerseite gebildet haben (bei mir ist dies jedenfalls immer so). Zumeist handelt es sich um Kalkflecken. Diese Verschmutzungen lassen sich folgendermaßen sehr einfach entfernen: Man haucht diese Trägerseite des Negativs kurz an, legt es auf eine saubere Unterlage und reibt die Flecken vorsichtig mit einem Brillenputztuch weg. So bin ich bisher immer Herr über entsprechende Verschmutzungen geworden.

Obacht: Nutzen Sie beim Vergrößern Glaseinlagen, so sollten Sie evtl. nach dem Reinigen etwas warten, bevor Sie vergrößern: Durch das Anhauchen wird das Negativ ja geringfügig feucht. Hier besteht Gefahr vor Newtonschen Ringen am Glas.

Probleme mit Staub beim Trocknen

ein ZerstäuberMit einem solchen Zerstäuber befeuchte ich vor dem Trocknen die Luft des Raumes, um Staub zu binden.

In diesem Beitrag habe ich beschrieben, wie man bei der Handvergrößerung Herr über das Staubproblem wird. Im Negativprozess ist es natürlich ebenso wichtig, dass sich während des Trocknens kein Staub am Film absetzt. Wenn ich meine Filme im Bad trockne, schließe ich die Fenster und besprühe den Raum zunächst mit Wasser aus einem Zerstäuber. Dieser Nebel bindet die Staubkörner in der Luft. Man kann alternativ auch eine heiße Dusche nehmen, bevor man den Film zum Trocknen aufhängt. Ich würde natürlich nicht mit dem Zerstäuber die Luft befeuchten, wenn sich noch Laborgeräte oder andere feuchtigkeitsempfindliche Materialien im Raum befinden.

die Archivierung der Negative

Ich nutze ausschließlich Pergaminhüllen zur Aufbewahrung bzw. Archivierung meiner Negative. Im Gegensatz zu Plastikhüllen / Plastikfolien lassen Pergaminhüllen einen Luftaustausch zu: Die Negative werden nicht schwitzen und es wird sich kein Schimmel bilden. Ferner „kleben“ die Filmstreifen nicht am Pergamin. Durch diesen unschönen Effekt (statische Ladung) befürchte ich feine Kratzer beim Herausziehen. Der Nachteil gegenüber den absolut transparenten Plastikhüllen ist freilich, dass man die Filme schlechter in den Pergamintaschen beurteilen kann: Man muss sie hierzu jedes Mal herausholen. Hierzu berühre ich meine Filme natürlich lediglich am Rand.

Drall: Filme rollen sich zusammen

Eingerollte Filmstreifen (hier ausnahmsweise) in PlastikhülleEingerollte Filmstreifen (hier ausnahmsweise) in Plastikhülle

Manche Filme haben eine unangenehme Eigenschaft: Sie rollen sich zusammen. Hauptsächlich konnte ich dies bei alten, überlagerten Filmen feststellen: Durch das jahrelange Aufgerolltsein behalten die Negativstreifen diese Form, diesen „Drall“ bei.
Zunächst kann man die Filme natürlich unter Bücher legen und so versuchen sie zu glätten. Hierbei benötigt man übrigens nur soviel Druck, wie der Film plan liegt. Es ist nicht nötig, noch mehr Gewicht aufzutreiben. Planer liegen kann der Film nicht. Doch ich habe eine wohl effizientere Möglichkeit gefunden: Die Negative werden entgegen des Dralls in einer Negativhülle aufgerollt und in eine Papprolle geschoben. In dieser Position bleiben sie eine gewisse Zeit. Schauen Sie nach 24 Stunden nach, ob sich bereits ein gewünschtes Ergebnis eingestellt hat.

Haben Sie vielleicht noch einen schönen Tipp oder einen Trick, was die Negativentwicklung von S/W-Film anbelangt?

Artikeldatum: 6.04.2014 / letzte Änderung: 2. Juli 2017

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eine Anmerkung bisher

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.