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Unterschwelliges Vorbelichten von S/W-Film

Eine eher wenig diskutierte Technik ist das Vorbelichten von Film. Hierbei lässt sich entweder der Tonwertumfang erhöhen oder aber die Filmempfindlichkeit.

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Einleitung

Schatten und LichterDamit bei einem solchen Motiv mit hohem Kontrastumfang die Lichter nicht blockieren, wenn man die Schatten einigermaßen korrekt belichtet, empfiehlt sich eine unterschwellige Vorbelichtung.

Heute möchte ich eine sehr interessante Technik Vorstellen: Das Vorbelichten von S/W-Film. Hierbei hat man ein Mittel zur Hand, den Film auf sehr hohe Motivkontraste vorzubereiten. Ein solch typischer hoher Motivkontrast wäre beispielsweise ein Wald bei direktem Sonnenlicht: Hier möchte man vielleicht im Innern des Waldes ein Bild aufnehmen und korrekt belichten, dass auch die Schatten durchgezeichnet sind. Die grellen Flecken, also das Sonnenlicht, welches teilweise direkt durch die Baumkronen auf den Waldboden fällt, sollen dabei aber nicht  ausfressen (bzw. im Negativ gänzlich schwarz werden). Der hohe, natürliche Kontrastumfang eines solchen Motivs muss also vom Film abgedeckt werden, was manchmal nicht mehr zu schaffen ist. Mit der Technik der unterschwelligen Vorbelichtung können wir den Kontrastumfang des Filmes um mindestens eine Blende erhöhen.

Ferner kann man den Film durch eine unterschwellige Vorbelichtung in seiner echten Empfindlichkeit steigern! Beides zusammen geht allerdings nicht.

Mit dem Vorbelichten von fotografischem Film kann man entweder dessen Empfindlichkeit erhöhen oder dessen Kontrastumfang (Lichterzeichnung erhöhen). Beides zusammen geht allerdings nicht.

erste Schwärzung & Erhöhung der Filmempfindlichkeit

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Folgendes muss man sich zunächst vergegenwärtigen: Damit auf einem Film eine Schwärzung erzeugt werden kann, bedarf es eine bestimmte Menge Licht. Ist das Licht nicht ausreichend, erfolgt also auch keine Schwärzung. Geben wir dem Film künstlich aber eine solche Menge Licht, dass dessen „Schwärzungsgrenze“, also die Schwelle, gerade so noch nicht überschritten wird, wird nun im Anschluss nur noch eine sehr geringe Menge Licht benötigt werden, um eben eine Schwärzung zu erzeugen. Mit anderen Worten: Die Filmempfindlichkeit erhöht sich! Stellen Sie sich eine Regentonne mit Wasserhahn unten dran vor: Das Wasser kann erst fließen, wenn der Bereich unterhalb des Hahns bereits gefüllt ist. Und dies erledigen wir sozusagen mit der Vorbelichtung.

Belichte ich den den Film gerade so viel vor, dass dadurch noch keine Schwärzung erfolgt, wird eine solche beim nachfolgenden „tatsächlichen“ Fotografieren schneller erzeugt werden können: Die Filmempfindlichkeit wurde erhöht.

Ich habe hierzu mit dem bekannten Agfa APX 100 experimentiert und konnte dessen Filmempfindlchkeit mit dieser Methode auf (nicht ganz) echte 200 ASA um 1 Blende erhöhen.

Es ist hierbei aber zu beachten, dass der Film in diesem Fall etwas länger entwickelt werden muss, denn durch das nun knappere Belichten wandern die Mitteltöne und Lichter entsprechend nach „unten“. Die Schatten aber nicht: Denn die schwache Vorbelichtung wirkt sich nur in den Bereichen aus, welche später nur wenig Licht bekommen (eben die Schatten). Sie wirkt sich nicht auf die Mitten und Lichter aus: Wo später ohnehin viel Licht auf den Film tritt (bei den Lichtern), macht sich die zaghafte Vorbelichtung nicht bemerkbar. Um also später nicht zu weiche Negative zu erhalten, muss etwas länger entwickelt werden, um wieder auf einen Kontrast zu kommen, bei welchem sich die Negative gut auf ein Papier der Gradation „Normal“ vergrößern lassen.

Warum sind dann Filme nicht ab Werk schon vorbelichtet?

Durch das Vorbelichten bis kurz vor die Schwärzungsschwelle wird künstlich die Filmempfindlichkeit erhöht, ohne offenbar einen anderen Nachteil zu erhalten. Der ursprüngliche Kontrastumfang des Filmes wird hierbei auch nicht verändert. Allein: Die Vorbelichtung scheint nur für eine bestimmte Zeit zu wirken. Daher sollte man sie am besten unmittelbar vor (oder nach; siehe unten) der Aufnahme vornehmen. Genau weiß ich dies selbst aber auch nicht.

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Steigerung des Kontrastumfanges

Der zweite und öfter diskutierte Zweck des unterschwelligen Vorbelichtens ist das oben bereits angesprochene Erhöhen des Kontrastumfanges des Negativs. Ein klassischer, mittelempfindlicher (und erst recht höher empfindlicher) S/W-Film besitzt an sich schon einen hohen Kontrastumfang: Von der hellsten, direkt durch die Sonne beschienenen, weißen Häuserwand bis hin zum im Schatten liegenden Kellerfenster lassen sich auf einem solchen Film alle Bildinformationen speichern. (Wie man diese dann zu Papier bekommt, ist allerdings eine andere Sache.) Dieser Kontrastumfang lässt sich aber noch erhöhen!

Man geht hierbei zunächst genau so vor wie bei dem Erhöhen der Filmempfindlichkeit, verzichtet dabei aber auf die verlängerte Entwicklung. In der Praxis sieht dies so aus, dass man das Motiv einfach etwas unterbelichtet. Doch durch die Vorbelichtung wurden die Schatten ja sozusagen „sensibilisiert“. Sie werden trotz Unterbelichtung dennoch gut durchgezeichnet sein. Doch bei den Lichtern (die wir ja drücken wollen) hat sich durch diese Unterbelichtung eine merkliche Veränderung eingestellt: Sie sind nun durch die knappere Belichtung besser durchgezeichnet bzw. im Negativ etwas weniger gedeckt.

Belichtet man einen Film unterschwellig vor, kann man ihn im Nachhinein in einem gewissen Rahmen unterbelichten, ohne dass man an Schattenzeichnung verliert. Die Lichter hingegen werden durch die knappere Belichtung besser durchgezeichnet.

Ein Beispielbild

Vorbelichtung Beispiel

Bei diesem Motiv gilt es, sich zunächst die Schatten anzusehen: Der Pullover und das gerade so noch sichtbare Holz sind die Schatten. Der Außenbereich und das weiße Blatt Papier bilden die Lichter. Zunächst hatte ich eine Aufnahme ohne Vorbelichtung gemacht, sodass das Holz gerade so noch Zeichnung hatte (Aufnahme links). Draußen war es natürlich viel heller, sodass dieser Bereich natürlich überbelichtet wurde und entsprechend hell wieder gegeben wird.

Nun (Aufnahme rechts) belichtete ich den Film (bzw. das nächste Negativ) unterschwellig vor. Wie genau dies zu bewerkstelligen ist, erkläre ich gleich. Als nächstes fotografierte ich das selbe Motiv ein weiteres mal, doch nun um eine Blende knapper! Jetzt lässt sich folgendes beobachten:

  1. Durch die unterschwellige Vorbelichtung blieb die Schattenzeichnung trotz Unterbelichtung um 1 Blende nahezu gleich.
  2. Durch die „Unterbelichtung“ rückten die Lichterbereiche „eine Stufe“ nach unten: Sie sind besser durchgezeichnet bzw. im Negativ weniger geschwärzt.

Am besten lässt sich dies hier natürlich beim Außenbereich feststellen. Aber auch im Blatt Papier erfolgte eine Veränderung. Nochmal: das rechte Bild wurde um eine Blende unterbelichtet. Dennoch erhielt ich fast die gleiche Schattenzeichnung wie bei einer Belichtung um eine Blende mehr (linke Aufnahme) – allein durch das Sensibilisieren der Schatten durch die Vorbelichtung.

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Wie belichtet man ein Negativ unterschwellig vor?

Ich mache mir hier das sogenannte „Zonensystem“ zu nutze. Das müssen Sie jetzt nicht unbedingt kennen. In der Praxis sieht dies so aus: Ich suche mir eine homogene, möglichst strukturlose Fläche, z. B. eine weiße Wand. Auf die richte ich das Objektiv der Kamera, defokussiere vollständig, öffne die Blende möglichst und lese nun ab, was mir der Belichtungsmesser sagt. Dieser Belichtungsmesser ist immer auf die sogenannte „Zone V“ (mittleres Grau) kalibriert. Von diesem Messwert ziehe ich 4 Blenden ab. D. h. ich müsste die Blende am Objektiv um 4 Schritte schließen. Da ich die Wand aber möglichst nicht im Fokus (Struktur bzw. Schärfentiefe bei abgeblendeten Objektiven) haben möchte, regele ich so etwas möglichst über die Verschlusszeit. Würde ich also mit meinem Belichtungsmesser bei Blende 2.8 eine Verschlusszeit von 1/30 Sekunde messen, erhöhe ich diese Zeit um 4 Blenden: 1/60; 1/125; 1/250 und schließlich 1/500 Sekunde. Mit dieser Zeit (hier 1/500 S.) kann ich dann mein Negativ vorbelichten und würde die Wand auf die sogenannte „Zone I“ legen, was bewirkt, dass hier gerade so noch keine Schwärzung auf dem Negativ erfolgt. Selbst wenn nun schon ein bisschen Schwärzung erzeugt wurde, ist jene lediglich ein hauchdünner Schleier ohne Struktur. Denn die Wand war ja nicht im Fokus. Als eine solche Fläche lässt sich auch ein wolkenloser Himmel ohne Verlauf nehmen oder dergleichen. Man kann auch einfach nur ein Stück Milchglas bzw. Plastik über das Objektiv stülpen und 4 Blenden knapper belichten als es der Belichtungsmesser vorschlägt. Das Dumme an der ganzen Geschichte:

Zum Vorbelichten eignen sich nur Kameras mit Doppelbelichtungsfunktion!
Yongnuo BlitzVorbelichtung klappt auch am ganzen Film mit einem fein regelbaren manuellen Blitz, z. B. dem Yongnuo YN560

Denn das selbe Negativ muss hierbei ja zweimal belichtet werden. Einige Kameras lassen sich mit diesem Trick überlisten. Oder aber man belichtet den gesamten Film vor: Man hängt jenen also in einem absolut dunklen Raum auf, richtet ein (möglichst schwaches) Blitzgerät gegen eine weiße Wand gegenüber und löst jenes aus. Natürlich muss man dessen Leistung manuell so herunter gedimmt (evtl. durch Graufilter) haben, dass tatsächlich lediglich eine „Zone I Schwärzung“ (also gerade so gar keine) erfolgt. Dies muss natürlich vorher genau mit einem Blitzbelichungsmesser eingetestet werden. Sofern auch eine Vorbelichtung auf Farbfilm möglich ist, darf das Licht natürlich keinen Farbstich haben bzw. muss neutral sein. Hierfür eignet sich ein manuell regelbares Blitzgerät sehr gut.

Und noch eines ist nicht uninteressant:

Man kann genau so gut auch „unterschwellig Nachbelichten„!

Dem Film ist es egal, ob er vor oder nach der eigentlichen Aufnahme durch zusätzliches Licht sensibilisiert wird.

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Fazit

Ich gebe zu: Ich habe das Unterschwellige Vorbelichten kaum in der Praxis angewendet. Denn ich besitze fast keine Kameras mit echter Doppelbelichtung. Dazu bin ich natürlich ziemlich gut im Positivlabor und handhabe hohe Kontraste mit partiellem (Nach-) Belichten z. B. via Splitgrade. Dass man mit einer unterschwelligen Vorbelichtung die echte Empfindlichkeit eines S/W-Films erhöhen kann, fasziniert mich allerdings noch mehr als die Erweiterung des Kontrastumfanges. Leider lässt sich der Film, wie gesagt, bei meinen Lieblingskameras nicht korrekt doppelt belichten. Hier hatten die Hersteller nicht genug mit gedacht. Denn nun wissen wir ja, dass eine solche Doppelbelichtungsfunktion nicht nur als Spielerei einsetzbar ist (ein weiterer Einsatz einer Mehrfachbelichtung ist übrigens das mehrfache Blitzen um z. B. einen ganzen Raum auszuleuchten ähnlich einem „Wanderblitz“ bei offenem Verschluss). Bei meinen Tests hatte ich nur einen Agfa APX 100 (alte Version) benutzt. Mehr als eine Blende Unterbelichtung war hier allerdings nicht drin: Die Schattenzeichnung wäre dann bei einer vorherigen Zone-I-Vorbelichtung verloren gegangen. Man könnte versuchen länger (auf Schleier) vorzubelichten, was ich aber noch nicht probiert habe. Mir ist übrigens auch nicht bekannt, ob sich Farbfilm oder Dia-Film ebenfalls für das Vorbelichten eignet. Wer hat diesbezüglich schon Erfahrungen gesammelt?

Artikeldatum: 14.08.2014 / letzte Änderung: 14. September 2016

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3 Anmerkungen

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.