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Ausgeglichene Negative mit der Wasserbadmethode

Es gibt eine einfache und nachvollziehbare Möglichkeit zu kontrastreiche Negative für den Positivprozess vorzubereiten, indem man diese sehr ausgleichend entwickeln kann – mit Hilfe eines Wasserbades.

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Eine Entwicklerdose zur Filmentwicklung nebst dreier Chemieflaschen.Eine Entwicklerdose zur Filmentwicklung nebst dreier Chemieflaschen.

Stellen Sie sich vor, sie möchten Nachtaufnahmen anfertigen: Es wird viel Schwarz zu sehen sein und zusätzlich das äußerst helle Licht der Straßenlaternen. Natürlich belichten Sie ausreichend lange, damit im Schwarz auch noch eine gewisse Zeichnung vorhanden sein kann. Jedoch: Durch die nun sehr lange Belichtungszeit reißen die Lichter aus: Sie werden im Negativ äußerst stark gedeckt sein, schlimmstenfalls blockiert, also ohne jegliche Zeichnung. Insbesondere durch das sogenannte „Pushen“ kommt man zu solchen unschönen Negativen.

Bei derart kontrastreichen Situationen empfiehlt es sich daher, das Negativ ausgeglichen zu entwickeln: Schatten und Mitteltöne sollen ganz normal entwickelt werden. Die Lichter sollen hierbei jedoch zurück gehalten werden, um sozusagen wieder auf ein ausgeglichenes Niveau zu kommen, wie es übrigens unser Gehirn bei Betrachtung der Szene vor Ort automatisch getan hat. Nur der Film kann dies nicht: Er offenbart den wirklichen („derben“) Kontrastunterschied. Hier kann man aber eingreifen, und zwar mit der Wasserbadmethode:

Anwendung der Wasserbadmethode

  1. Der Film wird in den ersten beiden Minuten ganz normal so entwickelt wie bisher.
  2. Nun gießt man den Entwickler aus und zwar in eine bereit gestellte Mensur und gießt sofort Wasser in die Dose. Dieses Wasser sollte ungefähr die selbe Temperatur haben wie der Entwickler.
  3. Man lässt den Film eine Weile im Wasser stehen (ca. 1 Minute oder länger).
  4. Man gießt das Wasser aus und zwar ebenfalls in eine Mensur.
  5. Man kippt nun den Entwickler wieder zurück und entwickelt wie gewohnt weitere 2 Minuten.
  6. Man wiederholt nun die vorangegangenen Schritte: Entwickler raus / Wasser rein und stehen lassen / Wasser raus / Entwickler rein und gewohnt kippen.

Was passiert bei dieser speziellen Methode?

Kern ist folgendes: Der Entwickler wirkt dort am meisten, wo zuvor besonders viel Licht auftraf: Also in den Lichtern. Dies muss irgendwie gebremst werden. Diese Bremse ist das Wasser. Weiterhin muss man wissen, dass immer noch ein Rest Entwickler am Film / im Film haftet. Diesen Rest benötigen wir auch:

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Nachdem nämlich der Entwickler ausgekippt wurde und der Film hernach im Wasser schwimmt, passiert folgendes: An den Lichter-Stellen des Filmes verbraucht sich der Restentwickler sehr schnell. Der Entwicklungsvorgang ist an dieser Stelle zunächst gestoppt.

*Der Fotografische Blick: Komposition und Design. Dieses Buch widmet sich der Grundlage einer jeden Abbildung: Der Komposition. Gleichfalls wird versucht, dem Leser eine gewisse "Schule des Sehens" nahe zu bringen. Auf Amazon kann man einen Blick in dieses Lehrbuch werfen.

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In den Schatten jedoch, also dort, wo bei der Belichtung sehr wenig Licht hinfiel, arbeitet der Restentwickler unterdessen noch weiter, da er sich hier nicht so schnell verbrauchen kann. Es erfolgt also an dieser Stelle eine Trennung von Lichter und Schatten, also genau das, was wir brauchen.

Entwicklungszeiten

Die jeweiligen Zeiten muss jeder für seine Film- und Entwicklerkombination heraus finden.
Ich würde zunächst einfach die Zeit der konventionellen Entwicklung nutzen + die Zeit der einzelnen Wasserbad-Zyklen, also den Timer während den Wasserbädern stoppen und danach weiterlaufen lassen.

Ich möchte an dieser Stelle auch zugeben, dass ich mit diesem Artikel wertvolles Wissen weitergeben möchte. Will sagen: Ich musste diese Technik noch nie selbst anwenden.

Ganz verwandt mit der Wasserbadmethode ist das sogenannte unterschwellige Vorbelichten. Auch hier werden die Lichter geschont. Man könnte beide Techniken auch kombinieren.

Ferner gibt es sogenannte Zweibadentwickler: Diese Negativentwickler sind genau für die oben bestimmte Szenerie bestimmt, also für sehr kontrastreiche Negative, die eine ausgeglichene Entwicklung benötigen. Solche Methoden finden sich nur in den besseren Büchern für das eigene Fotolabor. In den (neuen) Anfängerbüchern wird man so etwas nicht finden.

Würde man jedoch Negative, die per se schon einen sehr geringen Kontrastumfang aufweisen, mit einer solchen Entwickler-Methode entwickeln (z. B. Aufnahmen im Nebel), so würde nur Matsch herauskommen. Das ausgleichende Entwickeln empfiehlt sich nur bei sehr kontrastreichen Szenen wie der Bühnenfotografie oder bei grellem Sonnenschein, wenn penibel auf die Schatten (also lange) belichtet wurde.

Artikeldatum: 3.12.2015 / letzte Änderung: 5. März 2016

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3 Anmerkungen

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.