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Die Multigrade-Einfiltermethode: den Farbkopf am Vergrößerer kalibrieren

Statt Filterfolien lässt sich bekanntlich auch ein Color-Kopf am Vergrößerer für die Kontraststeuerung von Multigrade-Papier nutzen. Dies ist die einfachste und auch von mir bevorzugte Methode. Zunächst habe ich meinen Vergrößerungskopf hierzu aber kalibriert bzw. persönliche Werte ermittelt um in Zukunft sehr schnell zu guten Ergebnissen zu kommen.

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ein Farbmischkopf mit FilternFarbmischkopf

Ich habe auf diesem Blog bereits die Zweifiltermethode sowie das manuelle Splitgrade vorgestellt. Beides sind Methoden, um einfach den Farbkopf am Vergrößerer für das Multikontrast-Fotopapier zu nutzen (statt Filter oder einen echten Multigrade-Kopf). Meine bevorzugte Methode ist die simple Einfiltermethode, mittels derer ich zunächst die Grundbelichtung für meine Bilder durchführe. Im Anschluss belichte ich bestimmte Bereiche entweder mit Filterung 00 oder Filterung 5 nach, um lokale Kontraste variieren zu können. Viele meiner Arbeiten erhalten als letzten Schliff noch eine Filter-00-Randbelichtung. Ich arbeite also mit einer Mischung aus Einfiltermethode und Splitgrade. Bleiben wir aber in diesem Artikel bei der Grundbelichtung bzw. der Einfiltermethode.

Ändert man die Gradation bzw. ändert man einen Filterwert, so hat dies immer Einfluss auf die nötige Belichtungszeit. Es ist daher sinnvoll, sich ein gutes System zu überlegen, damit man in der Praxis beim Wechsel der Gradation gleich die richtige, korrigierte Belichtungszeit parat hat.
Natürlich gibt es Tabellen für die bekanntesten Vergrößerer. Aber meiner Erfahrung nach stimmen die Angaben schlichtweg nicht, wenn man auf eine Vergrößerung mit klar durchgezeichneten Schatten besteht bei einem gerade so erreichten Dmax des Papieres. Klar: Jedes Papier reagiert hier etwas anders.

Ich habe für mein Fotopapier und für meinen Vergrößerungskopf eigene, korrekte Verlängerungsfaktoren ermittelt, um die Belichtungszeiten beim Gradationswechsel zu ermitteln.

Bei der Zweifiltermethode habe ich allerdings gute Erfahrung mit den Tabellenangaben für Durst-Vergrößerer gemacht. Im Gegensatz zu den Korrekturwerten für die Einfiltermethode stimmten jene für die Zweifiltermethode. Daher nutze ich lange Zeit einfach diese Methode bzw. diese Werte. Allerdings muss man dort ja auch einen Korrekturfakor bzw. -divisor beachten. Und daher kann man gleich bei der Methode bleiben, bei welcher man nur einen Filter nutzt. Aber: Man sollte vorher seinen Vergrößerungskopf kalibrieren bzw. für sein Papier passende, persönliche Korrekturwerte Ermitteln.

Ermitteln eigener Korrekturwerte

Hier sehen Sie ein Foto von meinem Krokus-Vergrößerer:

Krokus VergrößererBei Klick auf das Foto kann es nochmals etwas vergrößert werden.

Der Krokus ist ein sehr solider aber dabei durchaus kompakter 6×9-Vergrößerer mit Farbkopf. Zunächst fand ich zwar Tabellenwerte was die Gradations- und Korrekturwerte bei unterschiedlichen Filtereinstellungen anblangt. Nur diese Werte waren für mich allesamt unbrauchbar. Ich musste mir also selbst eine Tabelle anfertigen.

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Filterwerte für die einzelnen Gradationen ermitteln

Zunächst hielt ich klassische Ilford-Multigrade-Filter unter das Objektiv, zog sie wieder weg und drehte soweit am Magenta-Filter bis ungefähr die gleiche Farbe eingestellt war. So ermittelte ich die ungefähren Magenta-Einstellungen für die jeweilige Gradation. Ganz einfach. Denn der Begriff „Gradation“ ist in diesem Fall ja eigentlich nur ein interner Indexwert um nicht ständig von Filterwerten sprechen zu müssen.

Die Korrekturwerte ermitteln

* Fotografieren mit analogen Plastikkameras, Einwegkameras und "Lomokameras", dies ist das Thema dieses Buches. Der Autor zeigt, was für kleine Kunstwerke mit solchen einfachen Fotoapparaten und Lochkameras möglich sind und wie dies gemacht wird. Auf Amazon kann man durchaus einen Blick in dieses Buch werfen.

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Wenn Sie bei Gradation 2 (keine Filterung / Weißlicht) mit Probeschnipseln eine bestimmte Zeit ermittelt haben, bei der die Schatten Ihres Bildes noch Zeichnung haben und das Maximalschwarz des Papiers erreicht wurde, ist es natürlich wichtig zu wissen, um wie viel sich diese Belichtungszeit ändert, wenn man nun eine andere Gradation am Vergrößerungskopf reindreht.

Es ist klar, dass sich die Belichtungszeit verlängern muss, je weiter ich den Filterwert (ich arbeite hier nur mit Magenta) erhöhe, denn durch steigende Filterdichte wird auch das Licht schwächer. Glauben Sie bitte nicht, dass man dies einfach mit einem Belichtungsmesser anhand der Lichtmenge ausmessen kann! Denn jede Gradation hat ein anderes Schwärzungsverhalten. Dies muss man für sein Papier mittels Augenmaß ermitteln.

Ich hatte daher Testreihen angefertigt: Zunächst ermittelte ich die Zeit für Gradation 2 (keine Filterung), bei welcher ein Schattenbereich (schwarzer Pudel) auf dem Negativ das maximal erreichbare Schwarz des Fotopapiers erreichte, ohne dass die Schatten zulaufen also ohne dass die Fellzeichnung des Tieres verloren geht.
Nun änderte ich die Gradation und ermittelte erneut, bei welcher Zeit ich genau die Dmax des Papiers bei durchgezeichneten Schatten erreichte. So gelangt man relativ einfach zu wirklich korrekten Korrekturwerten. Beachten Sie bei Barytpapier, dass sie dieses zur richtigen Beurteilung trocknen müssen. In Zukunft werde ich sehr schnell zu den finalen Probestreifen gelangen, wenn sich herausstellt, dass die vorher geschätzte Gradation nicht stimmte. Sie sehen schon: Ich gehe bei Probestreifen immer von den Schatten aus. Die korrekte Gradation ermittele ich anhand der Lichter.

Praxisbeispiel

Fotopapier GradationBei einem solchen Motiv ist es wichtig, die korrekte Gradation zu nutzen, damit die Lichter brillant aber nicht „ausgefressen“ dargestellt werden. Gleichzeitig sollten die Schatten nicht „zulaufen“, damit das Bild nicht schwer bzw, tot wirkt. Dank eigener Korrekturwerten stimmt die Belichtung auch nach dem Wechsel der Gradation.

Ein Beispiel: Bei jedem Motiv schätze ich zunächst die Gradation. Meist fange ich mit Gradation 3 an. Bei meinem Krokus-Vergrößerer entspräche dies der Filtereinstellung von Magenta 50. Ich lege nacheinander Probeschnipsel auf die Schatten meines Bildes und ermittele so eine Belichtungszeit von 12 Sekunden. Nun lege ich einen Probeschnipsel auf die Lichter und stelle fest, dass jene noch zu grau sind. Ich muss also die Gradation erhöhen und ich gehe auf Gradation 4.

Nun heißt es rechnen: Ich dividiere die 12 Sekunden durch meinen persönlich ermittelten Korrekturwert von 1,8 um zunächst auf die Zeit zu kommen, welche bei Gradation 2 (kein Filter) nötig wäre. Dies ist 6,7 Sekunden. Der Korrekturwert von Grad. 2 auf Grad. 4 entspricht bei mir 2,6. Also multipliziere ich 6,7 mit 2,6 und erhalte so meine neue Belichtungszeit für Gradation 4: 17,4 Sekunden. Ich lege nun erneut Probeschnipsel auf Schatten und Lichter und es stimmt: Die Schatten haben das maximale Schwarz erreicht und gleichzeitig Zeichnung, die Lichter sind nun, dank der höheren Gradation, brillant, fressen aber noch nicht aus. Mit eigenen Korrekturwerten und etwas Rechnerei komme ich also sehr schnell zu finalen Probestreifen.

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Zumeist nutze ich hierfür allerdings meinen Laborbelichtungsmesser, den ich allerdings vorher auch auf die Schatten kalibrieren muss und zwar für jede Gradation separat. So gelangt man noch schneller zur richtigen Belichtungszeit.

Artikeldatum: 2.07.2014 / letzte Änderung: 1. Mai 2016

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Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Der Autor (Thomas) ist durchaus auch ein Freund des Du und freut sich über Kommentare.





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