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Fine Tuning: Lokale Kontraste mit Farmerschen Abschwächer erhöhen

Ein mir sehr wichtiges Werkzeug ist der sogenannte „Farmersche Abschwächer“. Eigentlich ist der Abschwächer für Negativ-Korrekturen gedacht. Doch es lassen sich durchaus auch Positive, also Silbergelatineabzüge, damit bearbeiten.

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Abschwächer bei Negativen

Farmerscher Abschwächer FlaschenFlüssigkonzentrat Farmerscher Abschwächer nebst Werkzeug

Normalerweise nutzt man den Farmerschen Abschwächer bei zu dichten Negativen: Das Negativ wird in einer Abschwächer-Lösung gebadet und man kann dann beobachten, wie die Schwärzung wieder abnimmt bzw. das Negativ eben „abgeschwächt“ wird. Bei dieser Methode muss aber unbedingt daran gedacht werden, dass der Farmersche Abschwächer zunächst immer die dünnsten Partien (also hier die Schatten) angreift. Das Negativ muss also überbelichtet sein, möchte man beim Abschwächen seine Schatten nicht wegbleichen. Für den Negativprozess empfehle ich daher den sogenannten „Lichter-Abschwächer“. Im Gegensatz zum Farmerschen Abschwächer greift der Lichter-Abschwächer tatsächlich auch als erstes die zu dichten Negativpartien an (und lässt die dünnen unberührt). Doch ich möchte mich in diesem Artikel einem ganz anderen Einsatzzweck des Abschwächers nach Farmer widmen:

Farmerscher Abschwächer im Positivprozess

Ich habe den Abschwächer bisher nur wenige Male bei Negativen einsetzen müssen. Ich möchte Ihnen demonstrieren, wozu man diese Chemie noch nutzen kann. Zunächst zeige ich Ihnen eine Fotografie:

Fotografie mit Farmerschem Abschwächer behandelt

Bei diesem Bild hatte ich mich regelrecht mit dem Farmerscher Abschwächer ausgetobt. Ich hatte das Foto im Kiefernwald der „Schaabe“ auf der Insel Rügen aufgenommen. Wie man sieht, ging es mir um den hellen, abgestorbenen Baum im Zentrum. Zunächst belichtete ich das Blatt mit einer zu weichen Gradation: Das Maximalschwarz der Schatten wird dabei gerade so erreicht  (sie sind kräftig genug bzw. tiefschwarz; die Schatten laufen aber noch nicht zu), die Lichter werden aber zu grau. Der Vorteil hierbei aber ist: Durch die zu weiche Gradation werden die Mitteltöne dunkel genug abgebildet. Damit der helle Baum richtig zur Geltung kommen kann (lokaler Kontrast / Hell-Dunkel-Kotrast), muss er aber in einer eher dunklen Umgebung stehen (Mitteltöne dunkel halten). Ich interpretiere also das Negativ, statt es lediglich 1:1 zu kopieren. Würde ich gleich mit einer härteren (global korrekten) Gradation vergrößern, käme mir der Waldboden aber zu hell. Ich würde die angestrebte visuelle Wirkung verfehlen. Durch die zu weiche Gradation wird der Waldboden dunkel genug abgebildet, der helle Baum im Zentrum ist nun aber freilich bereits zu dunkel.

Nun kommt der Abschwächer ins Spiel!

*Die persönliche fotografische Handschrift zu entwickeln, dies ist das Thema dieses Buches. Schließlich kann jeder fotografieren! Man muss nur den Fotoautomaten auf das Motiv halten oder Technik gepaukt haben. Immer noch werden die eigenen Bilder so aussehen wie die der anderen. Der eigene Blick möchte hier Abhilfe schaffen. Auf Amazon kann man einen Blick in dieses Buch werfen.

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Ich nehme ein Wattestäbchen, tauche jenes in die Lösung und streife es leicht ab. Hernach gehe ich bei Tageslicht mehrmals über den (noch zu grauen) Baum im Bildzentrum: nach und nach hellt er sich auf. Die dunkleren Bereiche daneben bleiben davon fast unberührt:

Der Farmersche Abschwächer greift im Positiv zunächst nur die helleren Bildstellen an. Es besteht eine automatische Maskierung.

Ich betreibe hier also analoge Bildbearbeitung! Als nächstes nehme ich mir die Baumstämme im Vordergrund vor. Deren Rinde muss knackiger abgebildet werden, der lokale Kontrast muss erhöht werden. Für diesen Bildbereich wäre eigentlich eine harte Gradation ideal gewesen. Doch dann (ich erwähnte es ja schon) wäre mir der Waldboden zu hell gekommen. Doch kein Problem: Auch über die Rinde der Bäume gehe ich in mehreren Durchgängen mit dem Farmerschen Abschwächer.

Da beim Abschwächen im Positiv Schwarz nicht und Mitteltöne nur mäßig angegriffen werden, erhöhe ich an bestimmten Stellen im Bild den lokalen Kontrast nach Sicht.

Die hellen Bereiche bei dieser Bildbearbeitung wurden stetig heller. Die dunklen Bildbereiche blieben dunkel. Durch das erhöhen des Lokalen Kontrastes erschaffe ich zudem auch eine Erhöhung der Visuellen Schärfe! Haben Sie um die jeweils zu behandelnden Bildstellen relativ dunkel geprintet (was ich ja mit dem dunkleren Waldboden getan habe), bekommen Sie ein gewisses Leuchten in Ihre Bilder. Natürlich können Sie mit dem Abschwächer auch dezenter umgehen. Bei meinem Bildbeispiel mit dem weißen Baum hatte ich doch recht ausführlich Hand angelegt.

Ein weiteres Bildbeispiel

Bildbeispiel Lokaler Kontrast
Ich hatte eine Serie von Bildern im Schnee angefertigt. Prämisse war folgende: Der Schnee sollte sich in seiner Helligkeit nur eine Nuance vom reinen Papierweiß unterscheiden! Er sollte also weder zu grau, noch reinweiß (also „ausgefressen“) sein. Das ist mir kaum ohne großen Zeitaufwand möglich gewesen, denn die Gradation hätte dann (für jedes Bild der Serie) sehr fein gesteuert werden müssen. Doch ich habe ja den Farmerschen Abschwächer! Zunächst belichtete ich das Fotopapier wieder mit einer leicht zu weichen Gradation. Das Ergebnis sah folgendermaßen aus: Das Maximalschwarz in den Bäumen wurde gerade so erreicht (tiefes Schwarz; die Schatten haben dabei noch Zeichnung). Der Schnee war aber durch die zu weiche Gradation zu grau. Ich hätte nun eigentlich die Gradation um einen ganz bestimmten Wert erhöhen müssen. Aber ich hatte es mir einfacher gemacht, nämlich die Lichter (den Schnee) nach Sicht behandelt:

Fotolabor BücherViele solcher Tipps finden Sie auch in guten Büchern für das Fotolabor.

Nun kam wieder der Abschwächer ins Spiel. Ich gab diesmal das gesamte Blatt Fotopapier in eine Schale mit der Lösung und bewegte es darin. Nach einer gewissen Zeit (vielleicht 20 Sekunden) nahm ich das Blatt heraus und beförderte es sofort in eine Schale mit Wasser bzw. spülte das Papier ab. Nun betrachtete ich mir das Ergebnis bei hellem Licht: Der Schnee war immer noch etwas zu grau, also wiederholte ich den Vorgang, bis die Lichter (also der Schnee) den gewünschten Grauton angenommen hatten. Natürlich hatte ich hierbei auch den Dry Down Effekt im Hinterkopf. Weiterhin hatte ich ein bereits korrekt „abgeschwächtes“, nasses Blatt als Referenz zum Vergleich vor mir.

Ich musste keine Angst haben, dass ich mir auf diese Weise die dunkleren Bildpartien „anbleiche“. Denn Farmerscher Abschwächer wirkt ja zunächst nur in den hellen Bildbereichen.

*Mittels solch einem lichtdichten Wechselsack können Sie Film zur Entwicklung in die Dose einspulen. Sie können aber auch einen nur zur Hälfte belichteten Rollfilm aus der Kamera nehmen bzw. wieder aufrollen. Auf Amazon gibt es verschiedene Modelle.

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Den Kontrast von S/W-Bildern im Labor erhöhen

Hier sieht man die Blätter: Am Vortag fertigte ich die Abzüge an und ließ sie grob trocknen. Am nächsten tag widmete ich mich dem „Feinschliff“: Bei einigen der Motive war der Schnee / der Himmel dunkler als bei anderen. Diese dunkleren gab ich dann in ein Bad hoch verdünnten Farmerschen Abschwächer und konnte diese so nach Sicht in ihrer Helligkeit an die anderen Abzüge anpassen.

Weitere Einsatzzwecke

Sie können den Abschwächer hervorragend für Portraits nutzen. Sie können hier mit dem Wattestäbchen das Weiß der Augen aufhellen, wenn jenes zu dunkel geraten ist oder zu graue Highlights korrigieren. Ja, auch die Haut können Sie aufhellen. Ein weiteres gutes Beispiel wäre ein nachbelichteter Himmel: Sind Ihnen nun die Wolken zu grau, dann schwächen Sie diese doch einfach ab: Das dunkle Himmelblau bleibt davon ja unberührt. Sie erhöhen den lokalen Kontrast. Ferner können Sie Strukturen, die durch weiches Licht ungünstig betont sind, zu etwas mehr „Knack“ verhelfen. Am Waldboden beim ersten Beispielfoto lässt sich dies sehr gut erkennen und auch an der Rinde der vorderen Bäume. Übrigens: Dieser „Mikrokontrast“ lässt sich bei manchen Papieren ebenfalls noch etwas mittels Selentoner erhöhen. Mit dem Abschwächer werden kleinste helle Elemente einer Fläche aufgehellt. Mit dem Selentoner können dunkle Elemente einer solchen Passage noch einen Tick dunkler bzw. tiefer abgebildet werden. Der lokale Kontrast erhöht sich. Bei den meisten meiner Abzüge wende ich beides als „Fine-Tuning“ im Anschluss an.

Und so wird’s gemacht

Nach den Bildbeispielen folgt nun eine allgemeine Anleitung für den Farmerschen Abschwächer.

Pulver oder Konzentrat?

Aufhellen mit AbschwächerFalls Ihnen die Lichter (z. B. Kreidefelsen) einmal zu grau geraten, hellen Sie jene doch einfach später nach Sicht mit einem Schwamm und Abschwächer auf!

Den Abschwächer gibt es zunächst in Pulverform in kleinen Tütchen. Dies ist die verbreitete Form. Ich empfehle aber, sich ein Flüssigkonzentrat zuzulegen. Ein solches können Sie beispielsweise bei Fotoimpex erwerben. Das verlinkte Produkt wird ewig halten, denn für partielles Abschwächen (wie bei Beispiel 1) benötigt man lediglich ca. 3 ml von jedem Konzentrat. Im Artikeltext des Produktes steht etwas von „Fixierer als Stopper“. Dies kann ich keinesfalls bestätigen (im Gegenteil!). Gestoppt wird ohnehin nur mit Wasser. Der Nachteil von Pulver: Nachdem Sie das Pulver in Wasser aufgelöst haben, hält sich die Lösung nur eine kurze Zeit. Sie müssen beim nächsten Mal also ein weiteres Tütchen benutzen. Vom Flüssigkonzentrat nehmen Sie über die Jahre einfach immer ein paar Milliliter zur Verwendung heraus.

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Ansatz

Ich nutze den verlinkten Abschwächer von Spur. Für partielles Abschwächen nehme ich ein kleines Schälchen und 100 ml Wasser.

  • Soll die Wirkung nur gering / zögerlich sein (Abschwächen von ohnehin hellen Bildbereichen) nehme ich von jeder der beiden Teilkonzentrate (A & B) jeweils 1 ml.
  • Für eine mittlere Wirkung (helles Grau soll geblichen werden) nehme ich von beiden Teilkonzentraten jeweils 2 ml.

Sie werden schnell ein Gefühl für die benötigte Konzentration erlangen. Fangen Sie besser geringer Konzentriert an und geben Sie dann einfach etwas Konzentrat in die Lösung hinzu, wenn sich eine Wirkung nur sehr zögerlich einstellt.

Bei meinem Beispiel oben mit dem hellen Schnee, welcher nur eine zarte Nuance heller werden sollte, nutzte ich jedoch einen viel dünneren Ansatz: 4 ml A + 4 ml B + 1000 ml Wasser! Hier muss man auch beachten, dass ich in diesem Fall das gesamte Blatt in ein Abschwächer-Bad gab und so eine kontinuierliche Wirkung statt fand. Bei 20 Sekunden war die erste Nuance geblichen. Dies sah ich bei derlei feinen Schritten aber erst, nachdem das Blatt einige Zeit im Wasserbad schwamm.

Haltbarkeit

Die nun angesetzte Lösung hält ca. eine Stunde. Das Konzentrat hält natürlich mehrere Jahre.

Wann wird abgeschwächt?

Foto mit einer LochkameraBei diesem (Lochkamera-) Foto hellte ich die Straße im Nachhinein tüchtig auf und erhielt dadurch einen gesteigerten lokalen Kontrast in Bezug zur Fläche daneben.

Das Fotopapier wird zunächst ganz normal entwickelt, gestoppt und auch fixiert. Im Anschluss folgt eine kurze Wässerung. Nun gehen Sie mit dem Fotopapier ans Tageslicht bzw. dort hin, wo sie eine gute Lichtquelle zur Beurteilung haben. Hier können Sie dann nach Sicht abschwächen (partiell oder in der Schale). Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden, dann geben Sie das Papier wieder zurück in die Wässerung und wässern aus. Das Fotopapier darf nicht wieder in den Fixierer.

Sie können freilich auch alte Prints nachträglich mit dem Abschwächer behandeln.

Schwächen Sie sukzessiv ab!

Auch heute passiert es mir noch manchmal: Ich schwäche ab und schwäche ab und sage mir: noch ein kleines bisschen und – versaut! Mist. Ehe Sie sich versehen ist aus der weißen Marmorstatue mit ganz zarter Schattierung ein weißer, zweidimensional wirkender Rechteck ohne jegliche Zeichnung geworden. Daher ist es sehr wichtig, die Abschwächerlösung nicht zu konzentriert anzusetzen und auch sukzessive zu arbeiten. Das bedeutet:

Schwächen Sie in mehreren Durchgängen ab. Nach jedem Durchgang erfolgt eine kurze (ca. 30 Sekunden) Wässerung. Beurteilen Sie das Ergebnis bei hellem Licht nach jeder einer solchen Wässerung. Bei kritischen Motiven fertigen Sie lieber Probestreifen an und ermitteln Sie damit die Zeit zum Abschwächen.
AbdecklackGreift die automatische Maskierung nicht mehr (helle Bereiche grenzen direkt an den abzuschwächenden Bereich), kann man sich mit Abdecklack / Abziehlack behelfen.

Denn je heller die Bildstelle wird, desto schneller wirkt ja der Abschwächer. Irgendwann wird der Vorgang beschleunigt. Ich fange zunächst immer mit den riskanteren Partien beim Abschwächen an. Wenn man hier etwas versaut, ärgert man sich wenigstens nicht über die Arbeit, die man bereits mit dem Abschwächen weniger anspruchsvollere Partien aufgewandt hat.

Trocknen der Bildstelle zwischendurch

Ich tupfe schmale Bildbereiche zwischendurch nach dem jeweiligen Wässerungsvorgang oft mit einem Papiertaschentuch ab. Ich verspreche mir davon Folgendes:

  • Die Abschwächerlösung wird durch das Wasser auf der Papieroberfläche nicht noch weiter verdünnt.
  • Es wird das Risiko verringert, dass die Abschwächerlösung durch den nun kaum noch vorhandenen Wasserfilm in benachbarte Bereiche fließen kann.

Tatsächlich ist das partielle Arbeiten mit dem Farmerschen Abschwächer auf einer zuvor leicht getrockneten Stelle viel effizienter als bei einer, auf der sich noch ein Wasserfilm befindet.

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Werkzeuge

Wie auf dem ganz oben stehenden Foto zu sehen ist, nutze ich entweder einen kleinen Schwamm oder Wattestäbchen. Ein kleines Schälchen reicht für die Lösung. Für ganz winzige Stellen kann man auch einen Zahnstocher nutzen. Aus der Apotheke habe ich mir diese kleinen Spritzen besorgt zum millilitergenauen Abmessen des Konzentrats.

noch ein Beispiel aus der Praxis

Abschwächer nach Farmer

Dieses Bild hatte ich im Thüringer Wald mit meiner kleinen (bzw. leichten) „Welta Weltax“ 6×6-Kamera aufgenommen. Es zeigt das Bächlein „Haselbach“ in der Nähe der Ski-Sprungschanzen von Oberhof.

Die Aufnahmesituation mit dem Handy fotografiert. Hier sieht man gut das mir zu helle Gras.Die Aufnahmesituation mit dem Handy fotografiert. Hier sieht man gut das mir zu helle Gras.

Das Konzept beim Vergrößern war ähnlich dessen, welches ich bei dem „weißen Bäumchen“ im ersten Beispiel angewendet hatte: relativ dunkel vergrößern und einzelne Bereiche mittels Farmerschem Abschwächer wieder aufhellen. Hier konnte ich aber partiell besser nachbelichten: So belichtete ich das Fotopapier zunächst mit einer eher „normalen“ Gradation. Das Ergebnis sähe dann so aus, dass die Lichter (der Schnee) fast schon brillant wären, das Gras im Vordergrund wäre aber zu hell (es war recht helles Gras). Diesen Vordergrundbereich konnte ich hier aber natürlich ziemlich gut nachbelichten.

Es ist bei Fotografien oftmals nicht unwichtig, dass das Auge vom Dunkleren ins Helle geführt wird, um einen nötigen kräftigen visuellen Aufbau zu schaffen.

Und dieses „Helle“, die dominierende Stelle, soll der Fels sein. Dieser war aber einfach nur grau.

*Ein kompaktes Reisestativ inklusive Kugelkopf. Durch den Trick, dass sich der Kopf beim Zusammenlegen innerhalb der Beine befindet, erhält man ein Packmaß von nur 35 cm! Weiterhin lässt sich ein Stativbein als Einbeinstativ umfunktionieren. Bei Amazon gibt es dieses kompakte und stabile Stativ zum gewohnt günstigen Preis.

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Bei Landschaftsfotografien (eigentlich bei allen meiner Fotografien) ist mir persönlich ein gewisser Realismus weniger wichtig: Ich interpretiere meine Negative. Etwas Farmerscher Abschwächer auf dem Schwämmchen verhalf dem Felsen schnell zum nötigen Strahlen, zur nötigen visuellen Dominanz.
Auch die Rinde des Baumes rechts im Vordergrund wurde leicht mit dem Abschwächer behandelt: So erhöhte ich hier den Lokalkontrast der Rinde ein wenig, was dem Schärfeeindruck zu Gute kam. Auch der Haselbach bekam eine entsprechende Behandlung, damit die Gischt brillant weiß wird.

Tunlichst vermeiden musste ich, dass mir der Abschwächer in den Schnee läuft! Solche hellen Stellen brennen ganz schnell aus, wenn man nicht aufpasst. Dann wäre alles hinüber. Noch in der Dunkelkammer belichtet ich außerdem den oberen Bereich direkt über und links neben dem Felsen etwas nach, damit hier (später beim Abschwächen) ein klarer Hell-Dunkel-Kontrast entsteht.

Sie sehen: Gute, eindrucksvolle Landschaftsfotografien benötigen oft eine entsprechende Positiv-Bearbeitung. Vielleicht interessieren Sie sich an dieser Stelle auch für meinen Artikel über das Nachbelichten der Ränder bzw. über das „Einengen“.

Wenn Sie sich für solche Begriffe wie „Visuelle Dominanz“ oder lokale Kontraste beim S/W-Vergrößern interessieren, bzw. dafür, wie man ein Negativ „interpretieren“ kann, dann empfehle ich Ihnen sehr das Buch „Workshop Schwarzweiß-Printing“ von Larry Bartlet und John Tarrant aus meiner Buchbesprechung.

Bereiche aufhellen

Welche Bildbereiche bei diesem Handabzug im Nachhinein bei Tageslicht mittels einem Wattestäbchen behutsam aufgehellt wurden, wird Ihnen jetzt natürlich klar sein. Obacht: Nach jedem Zwischenwässern entsprechende Bildstellen trocken tupfen, bevor der Abschwächer erneut aufgetragen wird. Ansonsten droht ein Verlaufen in benachbarte Regionen. Ich musste auch verdammt aufpassen, dass ich mir die Schattierung des Rohres nicht wegfixierte. Denn sonst wäre es nur noch eine weiße „Latte“ im Bild. Das selbe galt für die Baumstämme im Hintergrund.

Abschwächer in hoher Konzentration

Sie können den Farmerschen Abschwächer auch sehr hoch konzentriert einsetzen (also auch ganz ohne Wasser). Dann können Sie sofort jegliche Schwärzung aus dem Fotopapier wieder entfernen z. B. wenn Ihr Fotopapier an den Rändern Licht abbekommen hat. Ich hatte mal einen defekten Vergrößerungsrahmen mit einem „Loch“. An dieser Stelle hatte der Rand des Fotopapiers manchmal eine kleine Schwärzung. So etwas wischte ich dann einfach mit konzentriertem Abschwächer ab.

Meniskuslinse FotoBei diesem Foto (mit einer Meniskuslinse, daher der Lichthof) habe ich sowohl den zunächst sehr dunklen Hintergrund als auch den Boden ordentlich mit dem Abschwächer gequält.

Übertreiben

Sie können auch einmal versuchen, die Schatten zu quälen. Belichten Sie einmal dunkle Kellergemäuer im Positivprozess leicht über: die Schatten laufen dann freilich zu. Nun nehmen Sie etwas höher konzentrierten Abschwächer und gehen damit immer wieder über die Schatten. Plötzlich wird wieder Zeichnung sichtbar werden und sie werden einen Effekt feststellen, den man nicht richtig mit Worten beschreiben kann – Sie werden einen sehr piktorialistischen, weichen Bildeindruck erhalten. Doch Vorsicht: Hierbei kann sich auch ein hässlicher gelber Schleier bilden. Ebenso können Sie mit dem Abschwächer natürlich auch gnadenlos ihre Lichter aufbleichen! Der Schwede Anders Peterson wendet diese Technik offenbar immer wieder gerne bei seinen Bildern an.

Das Gegenteil: der Lichterabschwächer

Ganz oben erwähnte ich ihn bereits: den sogenannten Lichterabschwächer. Diese Chemie ist ebenfalls ein Abschwächer, funktioniert aber genau anders herum: Zuerst werden die stark geschwärzten Partien angegriffen, viel später die zarten Töne. Beim Farmer ist es ja genau anders herum.

*Sie wollten schon immer einmal Portraitfotografie mit Kunstlicht machen, scheuten sich aber vor dem Blitz? Mit diesem günstigen Softbox-Set mit starker Glühlampe (Dauerlicht) haben Sie die Lichtcharakteristik stets im Blick und können sogar die interne Kameraautomatik nutzen. Ideal für die analoge Fotografie. Zum Preis eines Restaurantbesuches bei Amazon.

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eine Flasche Lichter Abschwächer

Hier sehen Sie ein Fläschlein Lichter-Abschwächer, welches damals von Tetenal hergestellt wurde. Warum der Name „Lichter-Abschwächer“? Dieser bezieht sich auf das Negativ: Hier sind die am stärksten gedeckten Stellen eben die Lichter. Und diese können damit abgeschwächt werden, ohne die Mitteltöne und Tiefen in einem bestimmten Maße zu beeinflussen.

Bei einem Positiv, also dem Handabzug, kann man jedoch mit dem Lichterabschwächer die Schatten aufhellen! Mitteltöne und erst recht die Lichter bleiben zunächst unberührt! Sie haben einem Baum vor hellem Hintergrund zu viel Licht gegeben und die Schatten sind „zugelaufen“. Schade um’s Papier. Doch halt: gehen Sie einmal mit diesem Abschwächer über das Geäst. Sie werden feststellen, dass es nun wieder etwas an Zeichnung gewinnt und dass der helle Hintergrund zunächst nicht davon betroffen ist. Hier könnte man nie mit dem Farmerschen Abschwächer ran gehen.


Hinweis: Mittlerweile habe ich diesem „anderen“ Abschwächer einen eigenen Artikel gegönnt: Der Lichterabschwächer. Am Ende können Sie auch einen Blick in ein altes Fachbuch werfen, wo auf die verschiedenen Abschwächer eingegangen wird. So etwas findet man ja in neueren Büchern leider kaum.


All dies funktioniert natürlich nur in einem bestimmten Rahmen. Für mich dienen die Abschwächer als Feinschliff. Um eine korrekt ermittelte Belichtung und Gradationsfilterung kommt man auf Dauer nicht umhin.

Arbeiten Sie ebenfalls Abschwächern? Oder nutzen Sie diese lediglich für den Negativprozess?

Artikeldatum: 3.08.2014 / letzte Änderung: 21. Mai 2017

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3 Anmerkungen

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Der Autor (Thomas) ist durchaus auch ein Freund des Du und freut sich über Kommentare.