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Baryt und PE: S/W-Fotopapier richtig wässern

Der Prozess des Wässerns ist ein elementarer Bestandteil im Fotolabor. Keinesfalls müssen hier jedoch Wassermassen verschwendet werden, auch nicht beim Wässern von Baryt-Papier. Hier erkläre ich, wie ich zu einem archivfest gewässerten S/W-Handabzug gelange.

*Dieser Artikel ist gar nicht der, nach dem Sie eigentlich suchten? Vielleicht interessiert Sie jener mehr:
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Nachdem das Fotopapier fixiert worden ist, muss sämtliche Chemie wieder aus dem Foto heraus gewaschen werden. Halt: der Begriff „Waschen“ ist hier falsch gewählt. Tatsächlich spüle ich zunächst den sich oberflächlich auf dem Papier befindenden Fixierer kurz unter einem Wasserstrahl ab. Doch mit dem eigentlichen Wässern hat dies noch nichts zu tun.

Wässern meint einen Stoffaustausch: eine höher Konzentrierte Lösung (die Chemie) wird durch eine schwach konzentrierte Lösung (das Wasser) ausgetauscht.

Und dies findet hauptsächlich tief im Papier / Karton des Fotopapiers statt. Es ist daher völlig unnötig, jenes minutenlang unter laufendes Wasser zu halten! Das Wasser muss die Chemie nur heraus saugen. Und hierzu kann es über die meiste Zeit ruhig im Wasser liegen:

Man sollte das Papier in ein größeres Gefäß mit Wasser geben und es dort mehrere Minuten untergetaucht schwimmen lassen. Besagter Stoffaustausch lässt sich dann bereits an kleinen Bläschen feststellen, welche sich von den Ecken des Fotopapiers (ganz von alleine) ablösen.

Insbesondere Baryt-Papiere besitzen oftmals einen kartonstarken, dicken und „offenen“ Träger, aus welchem sämtliche Chemie wieder heraus gewässert werden muss. Bei dünnem, „versiegelten“ PE-Papier ist dies weit weniger kritisch.

Nach einiger Zeit (anfangs nach 10 Minuten) wechsele ich das Wasser und dieser Prozess wird mehrmals wiederholt. Es ist nicht nötig, ständig neues Wasser hinein laufen zu lassen. Nur wenn man das nun mit der Chemie automatisch angereicherte Wasser nicht per Hand wechseln möchte, kann man sich natürlich einer Wässerungsautomatik bedienen:

Wässern von Fotopapier

Dies ist eine Wässerungsvorrichtung für Fotopapier: Oben wird kontinuierlich frisches Wasser eingelassen. Die aus dem Papier heraus gezogene Chemie sinkt zu Boden und wird durch ein sich dort befindliches Loch abgelassen. Ein händischer Wasserwechsel ist dann nicht nötig.

Ich gehe immer auf Nummer Sicher und belasse mein Barytpapier ca. eine Stunde (in der Tat: mit der langen Zeit hatte ich nie Probleme) in der Wässerung. Nach ca. 20 Minuten nehme ich es jedoch heraus und gebe es kurzzeitig in eine sogenanntes Auswässerungsbeschleuniger-Bad:

Einen Auswässerungsbeschleuniger nutzen

Ich nutze zusätzlich einen sogenannten Auswässerungsbeschleuniger. In meinem Fall ist dies schlichtes Soda-Pulver aus dem Supermarkt. Ich nehme ein Häufchen davon auf meine Handinnenfläche und setze das Soda mit einen Liter Wasser an. Für ca. 1,5 Minuten wird das Fotopapier darin behandelt. Ein solcher Auswässerungsbeschleuniger macht genau das, was man bei dem Namen bereits vermuten kann: Er beschleunigt den Stoffaustausch von Chemie und Wasser im Innern des Papieres.

Danach gebe ich das Fotopapier wieder in meinen konventionellen Wässerungstank zurück. Hin und wieder bewege ich es darin und ich wechsele bei kleineren Wannen zwischendurch das Wasser.

Wässerung von PE-Papier

Belichtung und Filmentwicklung: in der Schwarz-Weiß-Fotografie

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Ein Vorteil von PE-Papier ist, dass es sozusagen versiegelt ist: Die Chemie hat hier weit weniger Chancen, tief in das Papier selbst hinein zu gelangen. Folglich braucht PE-Papier wesentlich kürzer gewässert werden! Zehn Minuten langen hier bereits. Gerade bei diesen Kunststoffpapieren sollte man das Wässern nicht übertreiben, ansonsten drohen sie, sich aufzulösen.

Meine vorherigen Tipps zum Wässern beziehen sich jedoch auf kartonstarkes Barytpapier. Hier muss der Vorgang gründlicher ausgeführt werden. Dass hierbei jedoch keinesfalls enorm viel Wasser verbraucht werden muss, wie man es vielleicht denken könnte, haben Sie ja nun feststellen können.

Besser Wässern durch kurzes Fixieren

Stellen Sie sich folgendes vor: Sie haben einen sehr dünn angesetzten Fixierer und müssten dementsprechend das Fotopapier sehr lange fixieren, damit die Chemie – salopp gesagt – jegliches unnötige (d. h. nicht belichtete / entwickelte) Silber von der Schicht des Fotopapiers heraus schwemmen kann. Soweit, so gut: Fixieren funktioniert auch bei schwacher Lösung, eben nur bei einer viel längeren Zeit. Das Problem: In genau dieser Zeit wird sich der Fixierer auch tief im Papier des kartonstarken Barytpapiers sozusagen festgesetzt haben!

Daher empfiehlt es sich, einen hoch konzentriert angesetzten Fixierer zu verwenden, insbesondere bei kartonstarkem Barytpapier! Ein solch fett angesetzter Fixierer wird nur eine sehr kurze Zeit zum Fixieren benötigen und kann somit nicht so sehr tief ins Innere des Papierträgers gelangen, wenn man das Papier nach der nun nötigen Fixierzeit gleich wieder aus der Chemie heraus nimmt.

Je kürzer das Fixieren vonstatten geht, desto effektiver kann danach gewässert werden.

Fixieren mit der Zweibadmethode

Ich nutze daher gleich zwei hoch konzentriert angesetzte Fixierbäder, um die Sache zu beschleunigen: Vor mir stehen zwei Schalen mit konzentriert angesetztem Fixierer. Das Mischungsverhältnis beträgt je 1:4. Das Baryt-Fotopapier* kommt nach dem Stoppbad zunächst für lediglich eine Minute in Fixierbad No. 1. Hernach kommt es für ebenfalls eine Minute in Fixierbad No. 2. Insgesamt wurde also lediglich zwei Minuten fixiert – und zwar gründlich.

*Vergessen Sie die alte Mär, dass Barytpapier exzessiv lange (45 Minuten) fixiert werden muss. Das trifft zumindest auf die heute erhältlichen Papiere und Fixierer nicht zu und ich weiß auch nicht, warum dies (die langen Zeiten) immer noch kolportiert wird. Stattdessen erinnere ich mich noch selbst an ausgebleichte („wegfixierte“) Lichter bei einem Print, den ich einmal viel zu lange fixierte.

Das erste Fixierbad wird immer am meisten ausgenutzt. Das zweite hingegen bleibt sehr „sauber“. Dieses dient als Perfektionierung und Reserve.

Ist das erste Fixierbad bereits etwas verbraucht (Test via Filmschnipsel), wird es entsorgt. Hernach wird das (nahezu gar nicht ausgenutzte) Fixierbad No. 2 zum ersten Fixierbad und ein neues Fixierbad No. 2 angesetzt. Es wird also auch bei der Zweischalenmethode immer nur ein einziger frischer Fixierer angesetzt. Es muss im laufenden betrieb nicht mehr Chemie verwendet werden! Auf diese Weise kann man sichergehen, dass a) das Papier gründlich fixiert wird (durch zwei Bäder) und b) die Einwirkzeit des Fixierers auf den Papierträger von nun geringerer Bedeutung ist (durch die je hohe Konzentration bzw. kurze Fixierzeit). Das nachträgliche Wässern wird nun also viel gründlicher erfolgen können bzw. kann kürzer gehalten werden.

Barytpapier zum Trocknen aufgeklebtLanges Wässern verstärkt die Eigenschaft, dass sich kartonstarkes Barytpapier beim Trocknen wölbt. Mit der Klebebmethode habe ich die für mich mit Abstand beste Variante für das Trocknen von Fotopapier gefunden.

Weitere Informationen zur Zweibadfixierung können Sie in der alten Kolumne von Thomas Wollstein nachlesen. (Die anderen Beiträge sind nicht minder interessant.)

Einen Bilderwascher selber bauen

Es gibt im Handel diverse Bilderwascher. Den Begriff für derlei Geräte finde ich etwas ungünstig gewählt: Mit Waschen hat Wässern eher weniger zu tun. Wie auch immer: Einige sind simpel aufgebaut wie mein eigener (Bild oben). Andere sind raffinierter mit „Schütteltechnik“.

Wie gesagt: Es langt bereits ein Gefäß mit Wasser, in welches man das Barytpapier legt, wie man Fische beim Angeln in einen Eimer befördert. Jenes Wasser muss jedoch zwingend mehrmals gewechselt werden. Weiterhin sollte das Fotopapier darin ab und zu etwas „angestupst“- bzw. bewegt werden. Raffinierter bzw. automatisch geht es mit einem Bilderwascher – und einen solchen kann man auch selber bauen. Im Netz gibt es zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels zwei Anleitungen hierzu. Otto Beyer hat diese auf seiner Seite in seiner Sparte „Tipps & Tricks“ gesammelt:

Fotopapier auf Gitter trocknenBeim Trocknen auf Gittern wölbt sich Barytpapier aber durchaus.

Zwei Anleitungen zum Selbstbau eines Barytwaschers.

Hinweis: Es empfiehlt sich, solche kostbaren Anleitungen lokal auf der Festplatte abzuspeichern. Dies gilt übrigens auch für meine Seiten, man weiß ja nie.

Die Materialien dazu finden sich im Baumarkt. Ein solcher Bilderwascher ist recht simpel aufgebaut, sodass ein Selbstbau kein Problem darstellen sollte. Ich selbst begnüge mich mit einer großen Wanne, in die ich mein Barytpapier gebe, dort ca. eine Stunde belasse, immer etwas bewege und natürlich mehrmals das Wasser wechsele.

Nach den ersten 20 Minuten nehme ich das kartonstarke Baryt-Papier heraus und gönne diesem ein Zwischenbad in einem Auswässerungsbeschleuniger aus Sodapulver. Hernach geht es zurück in die große Wanne. Barytpapier auf „papierstarkem“ Träger (wesentlich dünner) bedarf wie PE-Papier einen kürzeren Wässerungsprozess. Daher wurden diese Papiere früher auch bevorzugt für die Massenverarbeitung genutzt.

Fazit

Das archivfeste Wässern von S/W-Fotopapier (auch Baryt) muss keinesfalls mit immensem Wasser- und Energieverbrauch verbunden sein! Grundlegend verantwortlich für eine gründliche Wässerung von insebsondere kartonstarkem Barytpapier (keine „PE-Versiegelung“) sind diese Faktoren:

Meiner Meinung nach muss das Wasser auch nicht unbedingt 20°C betragen. Es kann auch kälter sein, dann würde ich aber auch länger wässern. Ein simpler Test auf eine genügende Wässerung wäre das Baden eines Testschnipsels in konzentriertem Selentoner. Hier dürfen sich keine Flecken bilden, jedoch verbürge ich mich nicht für diesen Auswässerungstest.

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Preis zuletzt aktualisiert am 10. Dezember 2019 um 6:19. Alle Angaben ohne Gewähr.

Ein Hinweis an dieser Stelle noch zum Abschluss: In den letzten Jahren tauchte in den Foren ein Problem mit (korrekt gewässertem) PE-Papier auf: Hinter Glas (Bilderrahmen) gab es bei diesem alsbald Flecken. Verantwortlich hierfür sind chemische Verbindungen, die sich über mehrere Monate bilden. Abhilfe schaffe eine Selentonung (bevor es Flecken gibt freilich). Weiterhin sollte man sicherheitshalber ein Passepartout im Rahmen nutzen, um die Fotografie zu schützen. Insbesondere bei Ausstellungsbildern oder bei Geschenken sollte man jedoch Barytpapier verwenden.

Artikeldatum: 11.03.2016 / letzte Änderung: 4. November 2019

authorHallo. Hier schreibt Thomas. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit der analogen Fotografie und habe mich sehr intensiv mit dem Entwickeln des "feinen" Bildes im eigenen Fotolabor beschäftigt. Sollte dieser Beitrag nützlich gewesen sein, freue ich mich z.B. über ein Freibier: *

Es gibt hier noch mehr interessante Artikel:

Thomas / Admin | am 25. Februar 2018

Hallo Mike, danke für das Lob. Sicherlich würden hier bei dem Ansatz auch 2 x 30 Sekunden ausreichen. So genau kann man dies ja schlecht prüfen. Ich gehe immer auf Nummer Sicher und belasse das Papier (leicht schwenkend) je für eine Minute in der jeweiligen Wanne. So hat es bei mir immer gut funktioniert und schaden tut es ja auch nicht: Bis der Fixierer die hellen Töne „wegfixiert“, muss man das Papier dann schon für eine Stunde im Fixierer vergessen (selbst schon erlebt).

Mike N. | am 25. Februar 2018

Hallo Thomas, tolle Seite! Doch nun zum Thema: Du sprichst von kurzen Fix-Zeiten mit fett angesetzten Fixer. Soweit so gut. Heutige Fixer brauchen 60 Sekunden – normal angesetzt. Aber anstatt die Zeit zu halbieren (30s/30s zweibad) verdoppelst du sie nun. Warum?

Willi Birgel | am 16. August 2017

Supper man Nachbar macht es auch unter laufendem Wasser in 3 Wochen 35qm 35000 liter Wasser
Super

Angela Bettinger | am 5. April 2016

Hi,

ich bin sehr begeistert von deiner Seite und finde es richtig gut,dass du analoge Laborarbeit so detailliert beschreibst.

Zur Wässerung: ich selbst nutzte für die Papierfixage ein alkalisches Schnellfixierbad. 2- Bad-Fixage, je 1 Minute.
Danach harren die Prints in einer größeren Wanne der weiteren Verarbeitung. Meistens wandern sie von dort direkt in den Selentoner und dann in die Wässerungswanne, wo ich sie ca 40 Minuten wässere. Fliesendes Wasser ….
Dann ggf. Bleichung – kurze Wässerung – Tonung und noch mal ca 15 Min. Wässerung.
Bis jetzt habe ich noch nicht bemerkt, dass ich etwas falsch gemacht habe oder zu kurz gewässert habe.
Wenn meine Bilder in 50 Jahren nicht mehr zu sehen sein sollten, fände ich das sehr schade, werde darüber aber nicht mehr traurig sein können …
VG, Angela

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