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Der Lichter-Abschwächer: dunkle Bildbereiche aufhellen

Mit dem sogenannten „Lichter Abschwächer“ ist es durchaus möglich, auf einem S/W-Abzug dunklere Partien aufzuhellen, ohne dass hierbei die bereits helleren angegriffen werden: Der lokale Kontrast wird gesenkt.

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Ich hatte auf dieser Seite ja bereits einen sehr ausführlichen Artikel über den „Farmerschen Abschwächer“ veröffentlicht. Den Farmer nimmt man zu lokalen Kontrasterhöhung: Hier werden helle Bildbereiche heller, dunkle bleiben zunächst dunkel.

Es gibt noch einen weiteren Abschwächer, welcher offenbar jedoch kaum bekannt ist. Er war unter dem Namen „Lichter Abschwächer“ im Handel:

eine Flasche Lichter Abschwächer

Die Firma Tetenal vertrieb diese Art von Abschwächer als „Lichter-Abschwächer“. Der Begriff ist im Zusammenhang mit diesem Artikel etwas irreführend, denn ich nutze ihn nur für Positive und hier greift er eben nicht die Lichter an (sondern die Schatten).

Ich nutze den Lichter-Abschwächer viel seltener als den Farmerschen Abschwächer. Denn den Grad der Schattenzeichnung kann ich zuvor natürlich fein mit den beiden Parametern Zeit und Gradation auf meinem Multikontrastpapier steuern.

Es gibt jedoch Motive, bei denen im Anschluss an die Belichtung noch etwas „analoge“ Bildbearbeitung nötig ist. Dieses war ein solches:

analoge Bildbearbeitung

Betrachten Sie bitte die Baumreihen in der Ferne. Diese sind bereits auf dem Negativ etwas gedeckter abgebildet bzw. dann auf dem Positiv entsprechend heller als die Bäume im Vordergrund. Dies reichte mir jedoch nicht – ich wollte die Luftperspektive verstärken. Die Baumreihe im Vordergrund sollte so visuell besser frei gestellt werden, was wichtig für die Wirkung dieses Motives ist. Daher mussten die Bäume am Horizont also viel heller abgebildet werden, als sie es eigentlich waren.

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Zwar hätte ich hier leicht Abwedeln können. Doch dann hätte auch das helle Grau des Himmels und des Schnees abgewedelt! Es sollten jedoch nur die dunkleren Baumreihen in der Ferne aufgehellt werden, ohne dabei die bereits hellen Bereiche zu beeinflussen.

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Und dies geht sehr einfach mit dem Lichterabschwächer! Man setzt die Lösung an und geht nun mit einem Schwamm über die entsprechenden Stellen des bereits fertig gewässerten Fotos. Nun hellen sich nach und nach nur die dunkleren Stellen auf. Die hellen Stellen bleiben zunächst unberührt davon. Man reduziert an diesen Stellen also den Kontrast – ideal zum Verstärken der Luftperspektive bzw. zum „Erzeugen“ von Ferne.

Ansatz

Als Ansatz nimmt man hierbei z. B. 1 Teil Abschwächer und 5 Teile Wasser, vermischt dies und trägt den Abschwächer mit einem Schwamm auf das Motivelement auf. Die S/W-Fotografie sollte davor bereits komplett fixiert- und gut ausgewässert sein. Man kann den Lichter-Abschwächer auch höher verdünnen.

Sukzessiv arbeiten

Es ist beim Abschwächen generell wichtig, sukzessiv zu arbeiten. D. h. schwächen Sie ab, wässern Sie kurz, schwächen wieder ab u.s.w. Nach dem letzten Vorgang wässere ich noch einmal recht lang.

Es empfiehlt sich, die Stelle auf dem Fotopapier nach dem Zwischenwässern mit einem Tuch grob trocken zu wischen, damit der Abschwächer im Anschluss nicht so stark vom Oberflächenwasser verdünnt wird und damit er nicht unnötig verläuft.

Schleier

Ich empfehle das Abschwächen nur als kleinere Korrektur. Das Grobe sollten Sie zuvor über die Belichtung erledigen. Denn irgendwann wird sich ein Schleier über die (zu stark) abgeschwächten Stellen des S/W-Papiers legen. Beim Farmerschen Abschwächer erscheint dieser Gelb. Beim Lichter-Abschwächer hat er eine kupferne Farbe, ist also eher rötlich.

Bei meinem Beispiel mit der Luftperspektive bin ich ca. zehn mal über die Stelle gegangen, bis diese deutlich heller wurde. Hier bestand noch keine Gefahr, dass sich ein Schleier bildete.

Zum Namen

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Der Name „Lichter-Abschwächer“ ist sicherlich verwirrend. Denn hier in diesem Artikel werden die Lichter (helle Bereiche) doch geschont und gerade nicht abgeschwächt! Der Name stammt jedoch aus der Negativverarbeitung. Für sie sind die Abschwächer ursprünglich gedacht gewesen. Und der Lichter-Abschwächer war dazu da, die Lichter (z. B. überentwickelte, dichte Bereiche) wieder abzuschwächen, also im Negativ „dünner“ zu machen, damit sie besser kopierbar sind.
So behandelte man früher Planfilme mit einem Schwämmchen Abschwächer: Der (dichte) Himmel wurde so transparenter. Äste jedoch, die dort hinein ragten bleiben davon zunächst unberührt!

Formeln und alte Lektüre

Ich habe hier noch eine alte Lektüre, bei welcher auf die verschiedenen Abschwächer eingegangen wird. Hier können Sie auch Formeln lesen, um sich diese Chemie selbst ansetzen zu können.
Der „Lichter-Abschwächer“ heißt hier „Ammoniumpersulfat-Abschwächer“ und besteht offenbar lediglich aus Wasser und „Ammoniumpersulfat“. Fragen Sie mich bitte nicht nach Details! Ich habe von Chemie leider überhaupt keine Ahnung. Sehr gerne können Sie aber entsprechende Informationen in die Kommentarfunktion eingeben.

Da in dem Buch grundsätzlich vom Negativ ausgegangen wird, müssen Sie jedoch umdenken, wenn Sie die Chemie für Positive / Abzüge einsetzen wollen. Ist dann die Rede von „Lichtern“ im Negativ, bedeutet dies natürlich „Schatten“ im Positiv. Das selbe gilt für die Begriffe „hart“ und „flau“. Mit „Platte“ ist ein Negativ gemeint.

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Fazit

Zusammen mit dem Farmerschen Abschwächer ist mir der Lichter-Abschwächer ein wichtiges Hilfsmittel, um später noch gewisse Korrekturen am S/W-Abzug vornehmen zu können. Gerade, dass hierbei die Lichter im Positiv unbeeinflusst bleiben, während sich alle dunklen Partien dazwischen aufhellen lassen (automatische Maskierung), macht es ihn zum wichtigen Werkzeug bei der „analogen“ Bildbearbeitung.

Artikeldatum: 6.07.2016 / letzte Änderung: 22. Februar 2017

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leider noch keine Anmerkungen

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.





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