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Ein Bild mit mehreren Gradationen belichten

„Knackige“ Schatten und „samtige“ Lichter in einem Bild? Das ist zunächst nur bei Motiven bei ganz spezieller Beleuchtung möglich. Doch im Positivlabor lässt sich so etwas auch von „normalen“ Motiven relaisieren: Man belichtet hier das Multigradepapier nacheinander mit unterschiedlichen Gradationen.

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Heute möchte ich eine äußerst wirksame Technik vorstellen, mittels der Positiv-Vergrößerungen möglich sind, bei denen man den Kontrast einzelner Bildbereiche individuell anpassen kann – ohne dass der lokale Kontrast anderer Bildbereiche davon in Mitleidenschaft gezogen werden muss.

Die Meisten werden sicherlich (hoffentlich zunächst) so vergrößern: Für das Multigradepapier wird ein einziger, fixer Filter gewählt, bei dem bei gerade so erreichten Maximalschwarz in den dunkelsten Stellen des Motivs eine genügende Lichterzeichnung in den hellsten Bereichen des Bildes möglich ist: Ein Kohlehaufen ist in dessen dunkelsten Stellen gerade so schwarz, jegliche Schattenzeichnung ist vorhanden. Das weiße Pferd daneben ist reinweiß, feinste Fellnuancen sind noch sichtbar: Sowohl die Belichtungszeit als auch die Gradation wurden eigentlich perfekt ermittelt. Allein: Der sogenannte lokale Kontrast innerhalb des Kohlehaufens sollte vielleicht höher (härter) sein. Würde man nun die Grundbelichtung härter wählen, würde jedoch das Fell des hübschen Pferdes gänzlich ausfressen. Hier müssen zwei Belichtungen her!

Es gibt also Motive, bei denen es günstig ist, wenn gewisse Bereiche mit einer härteren Gradation belichtet werden sollten als andere Bereiche daneben. Hier kommt uns das sogenannte Splitgrade-Belichten sehr zur Hilfe.

Ein Beispielfoto

Splitgrade Belichtung

Bei diesem Motiv war es mir wichtig, dass der untere Bereich in sich selbst (Lokalkontrast) einen hohen Kontrast aufweist. Die Bereiche darüber sollten aber samtig abgebildet werden, also mit einer weicheren Gradation belichtet werden. Wie geht das? Mit nur einer einzigen Belichtung ist dies nicht möglich. Ich interpretiere mein Negativ.

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Vorgehensweise

  1. Als erstes suche ich mir den Bereich meinen Motivs aus, welcher für sich selbst die härteste Gradation benötigt. Im Beispielfoto ist dies die Rasenfläche. Ich muss nun mittels Probeschnipseln ermitteln, bei welcher Belichtungszeit und bei welcher Gradation mir dieser Bereich am besten gefällt. Bei mir war es gleich Gradation 5. Hier kommt der Rasen (welcher einen geringen Lokalkontrast besitzt) ausreichend „knackig“.
  2. Nun habe ich die Grundbelichtung ermittelt: Gradation 5 sowie meine Belichtungszeit. Als nächstes muss ich mich den anderen Bildbereichen widmen. Ich wende mich der helleren Mauer zu und schaue, was mit ihr passiert, wenn ich sie ebenfalls mit der eben ermittelten Kombination aus Gradation und Belichtungszeit belichte: Sie würde ausfressen: Die Gradation ist für sie (nicht für den Rasen) zu hart. Statt nun aber einfach bei gleicher Gradation nachzubelichten, drehe ich Filter 00 rein bzw. wechsele zur Gradation extraweich und belichte diese Mauer (sie wurde bereits mit der Grundbelichtung belichtet) etwas nach:
    Ich fülle mit Gradation 00 die Lichter (hellste Bereiche) auf.

    Das Resultat: Die Mauer wurde nun mittels Splitgrade mit einer anderen Gradation belichtet als die Rasenfläche darunter. Ich habe den Lokalen Kontrast beeinflusst. Ich habe entgegen den Negativinformationen gearbeitet.

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    Dieses Nachbelichten erfolgt so, dass die Rasenfläche bei der anschließenden Grad. 00 Belichtung mit einem Karton so abgedeckt wird, indem dieser leicht bewegt wird, damit keine sichtbare Kante an der Übergangsstelle erfolgt.

    Wir haben nun als Ergebnis eine „knackige“ Rasenfläche (sie wirkt regelrecht „stachelig“) sowie eine „samtige“, weiße Wand.

Als letzten Schritt wandte ich mich noch dem Himmel darüber zu. Auch diesen hatte ich nachbelichtet, jedoch ebenfalls mit Gradation 00, sodass dieser eben mit der selben Gradation wie bei der Mauer belichtet wurde. Natürlich hätte ich den Himmel auch dramatisch wieder geben können, indem ich zum Nachbelichten wieder Filter 5 (Gradation extrahart) reindrehen / einlegen müsste. Damit hätte ich eine dritte Gradationszone angelegt. Meiner Interpretationsvorstellung des Negativs entsprach dies jedoch nicht.

Beim Beispielbild wurde der untere Bereich mit Gradation 5 belichtet. Das Haus und der Himmel erhielten eine nachträgliche Gradation-00-Belichtung, was zusammen vielleicht als Gradation 3 „übersetzt“ werden kann. Was aber, wenn der Himmel nur mit Gradation 00 belichtet werden soll? Dann muss er bei der Grundbelichtung mit der harten Gradation zunächst einfach abgehalten werden! Er erhält dann später sein „Licht“ (mit Gradation 00 / oder einer anderen Gradation) beim Nachbelichten.

Noch ein Beispielfoto für das Belichten mit unterschiedlichen Gradationen

Verestärkung von Luftperspektive

Es ist klar: die Runkelrübenhügel sind das Bildelement, welches für sich selbst die härteste Gradation benötigt. Hier war es Gradation 4 (soweit ich mich erinnere). Also belichtete ich das Bild zunächst mit Grad. 4, wedelte dabei aber gleichzeitig die Berge im Hintergrund ab! Denn diese sollten kein Schwarz bekommen, denn ich wollte die Luftperspektive verstärken! Anschließend belichtete ich alles überhalb der Runkelrüben mit Gradation 00, damit die Berge im Hintergrund ganz zart und fein abgebildet werden. Zuletzt bekam der Himmel noch eine Ladung Gradation 00, damit er dunkler wirkt.

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Wir haben hier also sowohl „knackige“ Bildelemente als auch „weiche“, „samtige“. So gelingen Ihnen Abzüge, die sich vom 1:1-Abzug sehr unterscheiden!

Sehen Sie: Das Ensemble sah so in natura überhaupt nicht aus. Erst im Positivprozess wird das Bild, wie Sie es jetzt sehen, gestaltet.

Voraussetzung: Sie müssen mit Multigradepapier arbeiten und am besten einen Vergrößerer besitzen, bei welchem die Gradationsfilter mittels Drehknöpfen geändert werden können. Denn keinesfalls darf der Vergrößerer beim Filterwechsel bewegt werden, sonst kommt es zu Unschärfen innerhalb der aufeinander folgenden Belichtungen. Ich hatte mir hierzu die Säule des Vergrößerers fixiert. Durch einen simplen Metallwinkel, der an der Wand fest geschraubt ist, wird die Stabilität des Vergrößerers deutlich erhöht und er kann nun gar nicht mehr Wackeln, was bei der Mehrfachbelichtung von Multigrade-Fotopapier unbedingt vermieden werden muss.

Artikeldatum: 6.08.2015 / letzte Änderung: 1. Mai 2016

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Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.





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