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Die Nassbelichtung: Lichter hervorzaubern und Schatten schützen

In diesem Artikel möchte ich eine Spezialität vorstellen: Das Fotopapier wird zunächst im Entwickler eingeweicht und dann nass (!) unter den Vergrößerer gelegt, wo es belichtet wird. Hierdurch erhält man eine automatische Maskierung, durch welche die Schatten geschützt werden, wenn die Lichter noch ihr zusätzliches Licht zur Bildung von (zarten) Schwärzen erhalten können.

*Dieser Artikel ist gar nicht der, nach dem Sie eigentlich suchten? Vielleicht interessiert Sie jener mehr:
Das Graustufenlineal

Zunächst: Heute habe ich etwas Zeit und möchte (nach langer Zeit) in diesem Blog über analoge Fotografie einen weiteren Artikel veröffentlichen. Schon lange liegt bei mir ein Scan eines Artikels aus der Zeitschrift „Hobby Foto Labor“ herum, bei dem es genau um das Thema Nassbelichtung geht. Dieses sehr interessante Thema möchte ich gerne teilen, doch ich selbst habe es noch nicht ausprobiert.

Worum geht’s?

Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Negativ mit dunklen Schatten (transparente Stellen), welche für sich selbst eine recht harte Gradation benötigen, damit sie schön differenziert dargestellt werden können. Gleichzeitig gibt es bei diesem Negativ Lichter-Bereiche, die sehr stark gedeckt werden: Bei einer einzigen Belichtung mit einer harten Gradation würden diese Bereiche jedoch „ausfressen“ bzw. keine Deckung auf dem Fotopapier erfahren. Man müsste folglich mit einer weicheren Gradation belichten, was wiederum die Schatten matschig erscheinen lässt.

Nun könnte man die Lichter einfach mit einer weichen Gradation nachbelichten. Bei Motiven, die jedoch sehr „verästelt“ sind, kann ein präzises Nachbelichten schwierig bis unmöglich werden. Hier bedarf es eine Maskierung. Eine solche Maskierung kann jedoch auch – und das ist das Besondere – eine Entwicklerlösung sein, die zuvor in das Fotopapier eingedrungen ist!

Wie funktioniert’s?

Hinweis: Alles natürlich unter Rotlicht.

  1. Das Fotopapier wird zunächst direkt aus der Verpackung in die Entwicklerschale befördert und dort eingeweicht. Danach wird es heraus genommen. Man lässt es abtropfen und der Entwickler wird grob von der Oberfläche gewischt.
  2. Das nun nasse Fotopapier wird unter den Vergrößerer gelegt.
    Nun erfolgt eine erste Belichtung. Nach der Belichtung werden sich die Schatten des Bildes (dunkle Stellen) nach und nach entwickeln. Das Papier nicht berühren!
  3. Jetzt erfolgt die zweite Belichtung und zwar am besten mit einer weicheren Gradation.
  4. Das Fotopapier wird nun in die Entwicklerschale befördert und ganz normal ausentwickelt.

Was ist hier passiert?

Nach der ersten Belichtung hat sich ein sogenannter Silberniederschlag auf alle Bereiche des Bildes gelegt, welche viel Licht bekommen haben: Das sind die Schatten (die nun dunkelsten Bereiche). Dieser Silberniederschlag ist eine Maskierung! Denn das Licht der Zweitbelichtung wird jene Maskierung nun weniger durchdringen können. Die Bereiche (hellste Stellen im Positiv) jedoch, die vorher aber kaum Licht bekommen haben (da das Negativ hier stärker gedeckt ist), besitzen keine Maskierung! Hier kann die Zweitbelichtung viel stärker einwirken! Das Resultat: Lichter und Schatten wurden unterschiedlich belichtet und zwar auf denn Mikrometer präzise voneinander getrennt. Niemals kann man so genau abwedeln!

Woher weiß ich das?

Die Technik der Nassbelichtung stammt freilich nicht von mir. Ich fand hierzu einen alten Artikel in einer Fachzeitschrift aus dem Jahr 1990. Diesen Artikel möchte ich gerne teilen:

nassbelichtung-1 nassbelichtung-2 nassbelichtung-3

Die Bilder sind recht klein. Sie können sich diesen Artikel jedoch auch als PDF-Datei auf Ihren Computer laden: Download.

Wie gesagt, ich habe diese Technik selbst noch nicht ausprobiert. Zwei Dinge interessieren mich hierbei noch:

Die Hohe Schule der Fotografie: Das berühmte Standardwerk

Die Hohe Schule der Fotografie ist ein Taschenbuch von Andreas Feininger, welches natürlich keinerlei Digitale Kameras bespricht. Demzufolge werden hier klar die Basics der Analogen Fotografie erläutert und bis ins Detail aufgeführt. Dieses Standardwerk ist zwar recht sachlich gehalten. Durch die vielen Abbildungen jedoch besitzt es keinen trockenen Schulunterricht-Charakter.

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  1. Im Artikel wird nur mit einer einzigen Gradation belichtet. Ich würde aber für den zweiten Durchgang eine weichere Gradation vorschlagen, um die Lichter zum einen „cremiger“ darstellen zu können. Dies geht natürlich nur mit Multikontrastpapier und bevorzugter Weise mit einem Vergrößerer mit Farbkopf oder Gradationswandel-Kopf. Zum anderen bedeutet auch der Wechsel auf eine weiche Gradation eine Art Maskierung: Gelbes Licht wird sich zunächst primär in den Lichtern des Positivs (helle Bildbereiche) auswirken, nicht jedoch in den Schatten (dunkle Bildbereiche), wie ich es an dieser Stelle näher erläutere.
  2. Das Papier saugt sich zunächst mit Entwickler voll. Die Frage hierzu ist, ob ich damit nicht eine gewisse Unschärfe riskiere, da ja nun die Oberfläche etwas „aufgequollen“ ist. Schlimmstenfalls wäre diese Technik dann nur für PE-Papier geeignet, da dieses bekannterweise nicht so arg aufquellen kann. Andererseits erlangt man mit einem nassen Fotopapier die beste Planlage, die man sich wünschen kann.

Warum macht man solche Handstände?

Bei der konservativen Betrachtung einer Schwarz-Weiß-Fotografie gibt es ein Ideal: Man möchte knackige, gut durchgezeichnete Schatten bei gleichzeitig samtigen Lichtern. Bei den wenigsten Negativen wird dies mit nur einer einzigen Grundbelichtung möglich sein. Primär nutze ich die Methode der Mehrfachbelichtung via Gradations-Split und gleichzeitigem Abwedeln bzw. Nachbelichten, wie Sie es hier nachlesen können. Bei Motiven jedoch, wo schwierig abgehalten werden kann (Abwedeln), muss eine viel feinere Maskierung her, also eine Trennung von Lichtern und Schatten. Eine solche könnte die Nassbelichtung bereit stellen.

 

Artikeldatum: 3.12.2015 / letzte Änderung: 18. Juli 2016

authorHallo. Hier schreibt Thomas. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit der analogen Fotografie und habe mich sehr intensiv mit dem Entwickeln des "feinen" Bildes im eigenen Fotolabor beschäftigt. Sollte dieser Beitrag nützlich gewesen sein, freue ich mich z.B. über ein Freibier: *

Es gibt hier noch mehr interessante Artikel:

Martin Heller | am 30. November 2016

Hallo Thomas,
das Thema Nassbelichtung hat mir keine Ruhe gelassen. Ich nahm ein Negativ mit viel Kontrast. Motiv: Wald mit leichter Schneedecke dazu schräg einfallende Mittagssonne.Ich habe alles so gemacht wie beschrieben, doch ein Phänomen ist aufgetaucht. Ausser dem ersten Trockenprobestreifen zur Ermittlung der Grundbelichtungszeit sind alle 4 nachfolgenden Nassbelichtungen in Richtung Sepia umgekippt. Die Grundbelichtungszeit betrug 8 Sek.bei Grad.2,5

Gelandet bin ich beim Vierten Nassprobestreifen bei 14Sek.Belichtungszeit aufgeteilt in 10Sek.hart M170 und 4Sek.weich Grad.2 der Sepiaton ist schwächer geworden aber nicht ganz
verschwunden. Irgend einen Fehler habe ich wohl gemacht, das FB Multigrade von Ilford ist keinesfalls überlagert.
Vielleicht kennt jemand die Ursache?

Gruss Martin

Rüdiger Hartung | am 7. Juni 2016

Lieber Thomas,
ich habe heute zwei von Dir empfohlene Verfahren, nämlich dass Splitgrade und das Nassbelichtungsverfahren angetestet.
Grundlage dabei war ein Negativ von einem Berg gegen einen stark bewölkten Gewitterhimmel.

Generell wird von Dir ja empfohlen, den Himmel als hellste Stelle in den Splitgrade-Prozess nicht mit einzubeziehen, sondern getrennt weich nachzubelichten.

Ich fotografiere auf Adox-Silvermax mit Silvermax Entwickler, was es erlaubt, einen sehr hohen Dynamikumfang einzufangen. Dies erspart in den meisten Fällen Abwedeln oder Nachbelichten.

Mit meinem Wallner Report Labor-Belichtungsmesser ergab sich aus dem Negativ eine Dichteumfang zwischen Wolken und dunkler Baumgruppe am Berg, der eine Papiergradation von 2,5 bis 3 erforderlich machte.

Belichtungsreihen mit dem von Dir beschriebenen Splitgrade Verfahren ergab ebenfalls eine gleiche Belichtungszeit für Gradation 0 und 5, also Weisslicht.

Dies diente mir als Grundlage für die Nassbelichtung.

In Entwickler gut eingeweichtes Barythpapier wurde zunächst 8 Sekunden mit Gradation 5 belichtet und nach der Entwicklung der Schwärzen (direkt unterm Vergrösserer -toll!) kam die Zweitbelichtung auch mit 8 Sekunden aber bei Gradation 0. Die vorher nach der Erstbelichtung und Erstentwicklung gut erkennbaren, fein strukturierten Schwärzen waren komplett grau zugelaufen. Von den Mitteltönen bis zu den Lichtern war alles okay.
Eine Modifikation der Zweitbelichtung von weich zu hart, eine Verkürzung der Zweit- und eine Verlängerung der Erstbelichtung brachten kaum Verbesserungen in den grauen und zeichnungsarmen Schwärzen.
Fazit: Durch die erste Nassbelichtung/Entwicklung scheint die weiche Gradationsschicht für die Zweitbelichtung -unabhängig vom Filter- aktiviert zu werden, so dass eine satte Ausbildung von Schwärzen verhindert wird.

Das Ganze erinnert mit an die Lith-Technik,wo mehr Licht ein weicheres,wärmeres Ergebnis bedeutet.

Papier: Fomatone MG Classic
Entwickler: Neutol Eco

Generell möchte ich die Idee von der Nassbelichtung weiter verfolgen und werde mir mal eine Festgradation 4 besorgen.

Auch war der Aufwand vergleichsweise moderat. Nach dem Einweichen des Baryth in Entwickler (DuKa Beleuchtung reduzieren!) hatte ich das Papier auf eine Glasplatte gezogen, trocken getupft und belichtet. Bei PE Papier ist es sicher sinnvoll, das Papier nach Erstbelichtung mit Entwickler zu besprühen.

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